Köln, den 10.10.2008


Hallo Zusammen,


am 19.08.2008 begann unsere Besteigung des Mont Blanc im kleinen Nachbarort von Chamonix, in Les Houches auf ca. 1100m. Da wir den großen Bergsteigermassen zumindest zu Beginn aus dem Weg gehen wollten wählten wir am Anfang diese Variante. So hatten wir immerhin einen Tag Ruhe bevor wir an der Nid d'Aigle (2372m) auf die vielen „Bergsteiger“ treffen sollten, die sich mit der Zahnradbahn von St. Gervais dorthin fahren ließen. Aufgrund des vielen Gepäcks (ca. 23-24 Kg pro Person) und der vielen Höhenmeter die vor uns lagen planten wir für den Auf- und Abstieg um die 8 Tage ein. Theoretisch geht es natürlich schneller, aber der Genuss der Tour und der Landschaft stand für uns im Vordergrund.

Neben der Zeit im Rucksack, waren wir darüber hinaus ausrüstungstechnisch ausgesprochen gut ausgestattet. Dies hatten wir verschiedenen Sponsoren zu derdanken, die uns als junge Alpinisten mit hochwertigem Material ausgestattet hatten. Ihnen gilt unser Dank und ein wesentlicher Teil der erfolgreichen Durchführung der Tour: 



Icebreaker stellte uns hochwertige Funktionsunterwäsche zur Verfügung
Puma rüstete uns mit hochwertigen Kopf- und Taschenlampen sowie mit Messern aus
Sunway Hosen stattete uns mit exzellenten und bergtauglichen Wanderhosen aus
Allos versorgte uns mit einem reichhaltigen Paket aus leckeren Fruchtschnitten
Led Lenser unterstützte uns mit einer hochwertigen Kopflampe
X-Socks bot uns angenehm zu tragende Wandersocken zu günstigen Konditionen


An unserem ersten Tag stiegen wir bis zu der alten Sternwarte auf. Ca. 2100 Höhenmeter, knapp über der Baumgrenze. Eindrucksvoll vollzog sich der Vegetationswechsel im Laufe dieses Tages. Noch zu Beginn wanderten wir durch dichten Wald, während die Umgebung zum Ende lediglich noch kleine Büsche aufwies. Kurze Zeit nachdem wir die Sternwarte erreicht hatten setzte starker Regen ein und wir entschieden uns dafür, unser Zelt eingepackt zu lassen und geschützt im Inneren des verlassenen Gebäudes zu schlafen. Nach einer kühlen, aber trockenen Nacht folgte das hässlichste Stück unserer Besteigung. Entlang der Gleise der Zahnradbahn marschierten wir den ersten Abschnitt des Tages, bis wir deren Endstation am Nid d’Aigle (2386m) erreichten. Während unserer ersten Pause beobachteten wir, wie die Zahnradbahn nach und nach immer mehr Menschen ausspuckte. Zum Großteil sind das Tagestouristen, die entweder dort die Aussicht genießen oder noch bis zu dem ersten Gletscher Bionassay aufsteigen wollen, der von dort bereits in wenigen Minuten erreichbar ist.


Von der Station Nid d'Aigle ging es durch immer rauer werdendes Gelände die Grundmoräne hinauf zum Gratfuß des Arete Payot auf etwa 3000m. Auf dem Weg dorthin stiegen wir aus dem Wolkenmeer hinaus und konnten einen ersten Blick auf den schneebedeckten Aguille de Bionassay (4052m) werfen. Eine faszinierende Umgebung. Bei Traumwetter legten wir ohne Probleme die letzten Höhenmeter zurück und schlugen unser Zelt auf dem Gletscher in der Nähe der Refuge de Tete Rousse (3167m) auf. Im „Basecamp“ genossen wir den restlichen Tag bis zu dem Zeitpunkt als uns die Kälte, die der Sonnenuntergang mit sich brachte, in die Zelte vertrieb. Zu dritt in einem zwei Personen Zelt verbrachten wir eng aneinander liegend und uns gegenseitig wärmend die erste Nacht auf Eis und starteten am Folgetag gemütlich in die Wand, die wir heute bis zur Refuge de Gouter durchsteigen mussten. Einige Bergsteiger starten von dieser Höhe aus die Gipfelbesteigung. Um dabei genug Zeit für den Aufstieg zu haben muss man gegen 2 Uhr morgens loslaufen, so dass wir gegen 8 Uhr morgens gemütlich und ohne großes Gedränge den nächsten Abschnitt starten konnten. Dabei durchquerten wir noch früh am Morgen die gefährlichste Stelle unserer Tour. Die Grand Couloir ist eine stark steinschlaggefährdete Rinne, in der es immer wieder zu schweren Unfällen durch herabfallende Steine kommt. Auch danach stellt die Steinschlaggefahr durch Vorausgehende oder Herabsteigende eine permanente Gefahr dar. Auf natürliche Weise nimmt durch das zunehmende Schmelzen des Schnees im Laufe des Tages die Steinschlaggefahr stark zu. Ein weiterer vermutlich deutlich schwerwiegender Faktor sind Bergsteiger, die aufgrund der langen Tour nicht mehr konzentriert laufen und dadurch Steine lostreten oder schlicht weg nicht aufpassen und keine Ahnung davon haben was für ein Risiko sie darstellen. Die losgetretenen Brocken, die teilweise die Größe eines Fußballs haben, fliegen dabei in jeder Höhe und mit unglaublicher Geschwindigkeit an einem vorbei. Wir querten daher so schnell es ging die Rinne und erkraxelten uns den Weg zur Refuge de Gouter (3817m). Dort hatten wir eigentlich vorgehabt eine weitere Nacht im Zelt zu schlafen, allerdings blies uns der Wind nach 3 Stunden Windschutz bauen eine unserer Zeltstangen den Gletscher hinab ins nächste Tal, bzw. in eine Gletscherspalte mehrere hundert Meter unter uns. Der überraschte Blick über die Schulter zeigte einzig noch leichte Spuren im Schnee, die den Abschied der Stange verdeutlichte. Niedergeschlagen und gefrustet stand uns letztlich glücklicherweise noch die Hütte zur Verfügung.


Der Tag danach hüllte uns in dicke Wolken und Hagel bekräftigte den Gedanken nach einem Ruhetag, um dadurch ausgeruht den letzten Abschnitt der Besteigung absolvieren zu können. Für den Folgetag war ebenfalls schlechtes Wetter angekündigt, so dass wir einen weiteren Ruhetag eingeplant hatten. Doch es kam anders als erwartet. Der Tag strahlte in weiß und blau und die Sonne stand schon hoch am Himmel als wir uns, zügig alle Sachen eingepackt, auf den Weg machten. Der Weiterweg zum Gipfel ist leicht, aber nicht ohne Gefahr. Zum einen gibt es doch die eine oder andere Gletscherspalte, zum anderen ist die Höhe nicht zu unterschätzen. Wenn dann noch schlechtes Wetter hinzukommt (Schlechtwetter heißt hier oft: keine Sicht, Temperaturen weit unter Null Grad und hohe Windgeschwindigkeiten) kann es durchaus gefährlich werden, da bei Nebel der Weg sehr schwer zu finden ist und auch die dickste Spur in wenigen Minuten verweht sein kann. Dank einer guten Akklimatisation und dann wieder einmal super Bedingungen fanden wir den Weg durch die Dome-Flanke zum Dome de Gouter (4304m) und wir erreichten schon früh am Mittag die Refuge de Vallot (4365m). Dies ist eine simpel installierte Notunterkunft, die man als „Blechwürfel“ wohl am treffendsten beschreiben kann.
Nachdem wir uns von dem ersten Schrecken was den Müll betraf erholt hatten, stärkten wir uns und zählten danach die Sekunden bis es endlich dunkel wurde und wir die letzte Nacht vor dem Gipfelsturm vor uns hatten. Die Nacht in der Hütte war alles andere als erholsam. Es war kalt (das Thermometer zeigte am Morgen in der Hütte -5°C an) und extrem laut, da in der Nacht ein Sturm wütete. Dadurch hatte man immer das Gefühl es würde die Hütte jeden Moment wegreißen, was in einer Situation, in der man eigentlich nur schlafen will, nicht wirklich hilfreich ist. Kommt man dann noch aus Versehen an den Knopf, der einen direkt mit den Rettungshubschraubern in Chamonix verbindet, steht man mit einem Puls von annähernd 200 im Schlafsack. Zum Glück hatten die Jungs von der Rettung wohl etwas anderes zu tun, so dass unser „Notruf“ unbeantwortet blieb.


Als wir am nächsten Morgen um halb 6 unsanft von der ersten Seilschaft geweckt wurden, die total vermummt und mit ihren lauten Steigeisen in unser „Schlafgemach“ stürmten, räumten wir unseren Kram zur Seite, schlüpften in die wärmenden Kleider und waren kurze Zeit später ohne Rucksack daran, am Bosses-Grat aufzusteigen. Der Gipfel scheint zum Greifen nahe, aber davor hat der Berg die beiden Bosses in den Weg gestellt, zwei mächtige Firnhöcker, die teilweise bis zu 40° steil erklommen werden müssen. Dabei schickte uns die Sonne ihre ersten Strahlen entgegen und gut gelaunt stiegen wir weiter. Der letzte Aufschwung in 4700m ist noch einmal etwa 45° steil, doch uns konnte an diesem Morgen nichts mehr bremsen. Gegen 7.30 erreichten wir am 24.08.2008 den Gipfel, mit 4807m das Dach der Alpen. Am Tag der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Peking rissen wir die tibetische Flagge empor und genossen an dem schönsten Tag unserer Tour am Mont Blanc das grandiose Panorama.

Den nun folgenden Abstieg bis auf 1800m hinab sollten wir die gesamte nächste Woche noch in den Knochen spüren. Trotzdem waren wir wieder froh fließendes Wasser trinken zu können und uns oberkörperfrei von der Sonne wärmen zu lassen.

Am 25.08.2008 erreichten wir unverletzt und gesund wieder unseren Ausgangspunkt und erholten uns nach einer Woche ohne Dusche im Hallenbad von Chamonix. Am Abend gönnten wir uns noch zur Krönung der gesamten Woche ein Käsefondue und waren froh heil wieder vom Berg zurückgekommen zu sein. Denn leider starben 5 Stunden bevor wir auf dem Gipfel angekommen waren 8 Menschen an einem Vorgipfel des Mont Blanc. Ein Serac war abgebrochen und hatte eine große Lawine ausgelöst.

Man wird sich wieder darüber bewusst was es heißt Bergzusteigen: einer ständigen Gefahr ausgesetzt zu sein, in der dich selbst langjährige Erfahrung durch unglückliche Umstände nicht vor der Macht und Unberechenbarkeit der Natur schützen kann.
Dies lässt uns für die nächsten Vorhaben noch vorsichtiger an die Sache herangehen, allerdings kann uns das von den Bergen nicht abhalten.

Liebe Grüße an alle die sich wegen des Unglücks große Sorgen um uns gemacht haben und nun diese Zeilen lesen.

Benni, Tina und Felix


Köln, 06.09.2008

am Sonntag, den 24.08.2008 um 7.30 Uhr, erreichten wir den Gipfel des Mont Blanc. Bei traumhaften Bedingungen stiegen wir am gleichen Tag noch 3000 Höhenmeter ab und erreichten am folgenden Tag Les Houches. Von dem Unglück an der Nordseite des Berges haben wir erst am Abend des 24. erfahren und waren davon in keinster Weise betroffen.

Alle sind bei bester Gesundheit.


Ein ausführlicher Bericht folgt in Kürze.



Köln/Leipzig, den 15.07.2008

Unser nächstes Ziel erwartet uns: der Mont Blanc, Ende August diesen Jahres.

Zu Fuß wollen wir im Nachbardorf von Chamonix, in Les Houches, aufbrechen, um durch eigene Kraft den Berg zu erklimmen. Noch gilt es die letzten Ausrüstungsgegenstände zu organisieren und die genaue Route zu planen, während die Vorfreude wächst und wächst.

Aus aktuellem Anlass soll unsere Besteigung unter dem Motto "Freunde Tibets - Wir setzen ein Zeichen" laufen, um am Gipfel angekommen die tibetische Flagge zu hissen.
Momentan gibt es etliche Aktionen, die auf die menschenverachtende Politik Chinas, insbesondere auf die Situation in Tibet aufmerksam machen. Auch wir wollen uns dieser Bewegung anschließen und in diesem Sinne „Sports for Human Rights“ Nachdruck verleihen.

Parallel zu den Olympischen Spielen findet vom 08. bis 24. August eine Kora um den Mont Blanc statt, bei der als Höhepunkt ein Paraglider vom Gipfel des Mont Blanc mit der Tibetischen Flagge schweben soll.
Auch wir werden zu dieser Zeit am Mont Blanc sein und uns diversen Aktivitäten anschließen.

Im Zuge unserer Planung bemühen wir uns um die Anwerbung von Sponsoren. Bisher waren wir schon sehr erfolgreich und bedanken uns für das Vertrauen und freuen uns über die qualitativ hohen Ausrüstungsgegenstände. Mehr dazu in der Rubrik „Unterstützer“.

Im Zuge dessen waren wir so frei auch ein paar Anfragen nach China zu schicken. Das nachfolgende Zitat bekamen wir als Antwort (bitte versteht das nicht als Pauschalisierung) zugeschickt, was die Problematik zwischen China und Tibet gut verdeutlicht:

„Dear friend of Tibet,

What is the “flag of Tibet” means? Is that the PRC flag?
As Tibet is part of China and under what ever is your so call reason “Human Right” you have no right to show such a flag in a public place (you can show it in your own toilet, nobody care).
Who will sponsor a tourist track to “Mont Blanc”?? Or a 6000er peak in Himalaya? (Nepali use to go to 6000m everyday as leisure routine)

And you call that an expedition??

A chinese”

Unsere große Expedition beginnt Ende August, allerdings testen wir unser Material und unsere Fähigkeiten zuvor im Silvretta-Gebiet.

Bis demnächst,

Tina, Benni und Felix