Riga,  03.09.2009


Riga hat uns schon bei sich aufgenommen. Es  ging  alles so schnell, in den letzten Tagen unserer Reise ... es ist wie im Traum. Gestern kamen wir schon vormittags in Riga an und konnten uns eine Bleibe suchen, in der wir, nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten und Ruhe eingekehrt war, selbst ueber uns staunten. Was haben wir nicht wieder alles Schoenes erlebt, was fuer ein Glueck hatten wir in den Tagen und Wochen mit dem Wetter, mit den Raedern und mit allen persoenlichen Begegnungen, die unsere Reise bereichert haben.

Lettland ist fuer uns ein wunderbares Land gewesen, um es mit dem Rad zu bereisen. Jetzt denken wir zurueck an die Leute, bei denen wir uebernachtet und die uns aufs Herzlichste aufgenommen haben. Z.B. gleich die erste Nacht in Lettland verbrachten wir in einem kleinen Dorf, in dem die verschiedenen privaten Grundstuecke NICHT durch Zaeune abgetrennt waren. Auf einer grossen Wiese zwischen Obstbaeumen und wunderschoen gepflegten Blumenbeeten waren wir unmerklich auf dem Grundstueck eines Herren gelandet, der uns mit viel Gestik und Mimik sein Grundstueck erklaerte. Er fuehrte uns durch seinen Garten und aus jedem Beet sollten wir Gemuese und Obst ernten. Er entschuldigte sich dafuer, dass wir Stadtkinder bei ihm nur ein Plumsklo geboten bekamen und bei ihm wurde uns klar, wie wenig man eigentlich auf Worte oder diesselbe Sprache angewiesen ist. Mit seinen vielen beschreibenden Geraeuschen und der lebendigen Koerpersprache konnte er alles erklaeren und uns so richtig zum Lachen bringen. Wir hatten eine tolle Zeit bei und mit ihm.  Es war auch wirklich kein schoener Abschied am naechsten Tag. Wir hatten diesen Herren in kuerzester Zeit lieb gewonnen.

Aber weiter ging die Tour. Mit neuem Informationsmaterial ausgestattet, entschieden wir uns nur noch wenige Kilometer an der eintoenigen Kuestenstrasse entlang zu fahren und bei Jurkalne, einem kleinen Ort mit einer 20m hohen Steilkueste, ins Landesinnere abzubiegen.  Auf dem Weg zu Jurkalne fiel uns auf, wie viele Grundstuecke zu verkaufen waren. Ueberall waren viele Hektar Land zum Verkauf geboten und als wir dann den engen Kuestenstreifen erblickten, an dem wir Picknick machten, konnten wir auch erahnen, weshalb es wohl besser ist, das Land loszubekommen. Jedes Jahr scheint die Brandung des Meeres immer mehr Land zu erodieren. Wir konnten sehen, wie es am Strand zu grossen Hangrutschen gekommen war.

Froh uns von der geraden, ebenen und vom Wald gesaeumten Strasse entfernen zu koennen, fuhren wir als naechstes die Staedte Kuldiga (mit dem breitesten Wasserfall Europas von 249m, allerdings nur max. 1m hoch), Sabile, Kandavar und Jurmala an. In den Staedten verbrachten wir nie so richtig viel Zeit. Der Aufenthalt dort verlief fast immer nach dem gleichen Schema: Wir besorgten uns in einem Supermarkt ein anstaendiges Picknick, sahen uns die wenigen Sehenswuerdigkeiten an, die die Staedte boten, fuhren mit den Raedern durch das Stadtzentrum um ein Gefuehl fuer den jeweiligen Ort zu bekommen und suchten dann ein gemuetliches Plaetzchen fuer unser Picknick.

Geschlafen haben wir immer auf Wiesen von kleinen Gehoeften, ausserhalb der Staedte. Und die Begegnungen, die uns durch diese Art der Uebernachtung ermoeglicht wurden, waren die Allerschoensten. Mal bekamen wir von Leuten, die weder Englisch noch Deutsch sprachen, einfach einen Teller mit Pfannkuchen und Kompott vor das Zelt gestellt, mal wurden wir zum Teetrinken ins Haus gebeten und aus dem Teetrinken wurde dann ein Festessen mit Sekt und anderen (staerkeren) Alkoholika. Man muss sich vorstellen: Wir, die wir den ganzen Tag geradelt waren, waren immer sofort besoffen und sassen mit hochrotem Kopf am Tisch, waehrend sich unsere Gastgeber gut amuesierten.

Aber es war immer ein gewisser Ernst zu verspuehren, wenn es darum ging, was wir von Lettland und seiner Bevoelkerung hielten. Einige baten uns in Deutschland gut von ihnen zu sprechen und von ihrer Gastfreundschaft zu berichten. Das ist nun geschehen, mit den waermsten Erinnerungen.

Abschliessend hier ein paar Fakten zu unserer Reise durch wunderschoene Landschaften: Wir radelten 26 Tage ohne einen Unfall, hatten nur  2 Nieselregentagen, nur 2 Platten, und versuessten unsere Reise mit viel leckerem regionalem Essen.

Und für die, die Zahlen mögen haben wir einige Daten zu unserer Reise:

- 26 Tage Fahrradfahren
- ca. 1920km
- 106h reine Fahrzeit

Wer diese Reise nachmachen will kann sich gerne an uns wenden. Es ist nur zu empfehlen.

Marie und Felix


Kleipeda, 27.08.2009


Nicht wie vermutet aus Kaunas melden wir uns nun aus Kleipeda, an der Ostseekueste gelegen. Die letzte Woche war traumhaft schoen und genau das, was wir uns in Danzig erhofft hatten.


Einen Tag nach unserer Weiterfahrt aus Danzig verabschiedeten wir uns von der Ostsee und gelangten ins Landesinnere von Polen. Von Frombork aus, wo Copernicus das heliozentrische Weltbild entwickelte, durchfuhren wir das Ermland und die Masuren wo wir die Gastfreundschaft der Polen zu spueren bekamen. Das eine mal bekamen wir zum Tee eine der leckersten Torten, die wir je gegessen hatten, und im Anschluss Bigos, ein typisch polnisches Essen mit Sauerkraut und Fleisch, das andere Mal wurde fuer uns ein praechtiger Fruehstueckstisch gedeckt, mit allerlei Spezialitaeten der Region.

Waehrend unserer Fahrt kam es uns oft so vor als ob wir uns auf einer Reise in die Vergangenheit befaenden. Bei den Besuchen des KZ Stutthof und der Wolfsschanze in der Naehe von Ketrzyn, wo Stauffenberg das Attentat auf Hitler veruebte,  wurden wir an die deutsche Geschichte erinnert.

In den Masuren genossen wir die Landschaft, die von vielen Seen und Bauernhoefen gepraegt ist, und entspannten des oefteren an den Ufern eines der Seen.

Bei unserer Einreise nach Litauen waren wir gezwungen die Autobahn zu nehmen. Das bedeutete, dass die ganze Zeit viele Laster an uns vorbeirasten und wir nicht allzu viel Spass hatten. Deshalb waren wir umso gluecklicher, als uns ein litauischer LKW-Fahrer anbot uns mit den Raedern bis nach Kaunas mitzunehmen. Zum Abschluss kochte er uns in seiner Fuehrerkabine noch einen Kaffee und wir fuehlten uns in Litauen gut aufgenommen.

Spontan entschieden wir uns dann mit dem Bus nach Kleipeda zu fahren, was bedeutet, das wir nicht auf direkter Linie durch das Landesinnere nach Riga fahren sondern wieder entlang der Ostseekueste und am Schluss entlang des rigaischen Meerbusens. 

Genau eine Woche haben wir jetzt noch und ca. 450km. Wir hoffen, dass das mit der spontan Umplanung die richtige Entscheidung war und werden uns dann wieder aus Riga melden.

Marie & Felix



Danzig, 20.08.2009


Nach 12 Tagen radeln sind wir heute in Danzig angekommen. 12 Tage in denen uns der Sonnenschein begleitete (nur 2 mal hat es Nachts geregnet) und in denen wir durch Ostdeutschland und entlang der Ostseekueste schon wieder vieles erlebt haben.

Das bisher schwierigste Stueck waren die ersten Kilometer gleich hinter Leipzig. Voellig plan- und kartenlos versuchten wir uns anhand des Sonnenstandes zum Oder-Neisse-Radweg durchzukaempfen. Dank google.maps, ausgedruckt von netten Mitarbeitern eines Autohauses, und vielem Nachfragen haben wir letztendlich den Weg ueber Torgau, Bad Liebenwerda, Senftenberg und Spremberg bis Bad Muskau an der deutsch-polnischen Grenze gefunden.

Am Oder-Neisse-Radweg war die Orientierung dann kein Problem mehr. Dank den vielen Hinweisen kamen wir entlang der Fluesse schnell voran und erreichten mit viel Seitenwind die polnische Stadt Stettin. Von dort setzten wir mit der Faehre nach Swinemuende ueber und radelten fortan an der Ostseekueste in Richtung Osten. Da der europaeische Radwanderweg R 10 fuer Felix duenne Reifen oft zu sandig war, folgten wir den kleineren und nicht so viel befahrenen Nebenstrassen. Die Strassen brachten uns automatisch mal ins Landesinnere, das einen sehr krassen Gegensatz zu den touristisch ueberschwemmten Doerfern an der Kueste darstellte. Da jetzt gerade in Polen Ferien sind reist das ganze Land, so scheint es jedenfalls, dorthin und begnuegt sich in Erlebnisparks, Rummelbuden, Shops, Discos, etc.
Wir haben das Gefuehl, das wahre Polen eher im Landesinneren zu sehen.

Nach einem Tag heute in Danzig geht es fuer uns morgen weiter in die Masuren. Die ersten 1000km sind geschafft, weitere 1000km werden wohl noch folgen. Aber da wir im Schnitt um die 100km am Tag fahren, duerften wir Riga am 04.09. auf jeden Fall erreichen.

Mal sehen wann wir das naechste Mal ins Internet kommen. Vielleicht in Kaunas, Litauen. Wer weiss.

Viele Gruesse,

Marie und Felix



Leipzig, 08.08.09


Bei strahlendem Sonnenschein steigt unsere Vorfreude, uns endlich auf unsere Drahtesel zu schwingen. Marie und Ich wollen ab heute mit dem Radl von Leipzig nach Riga fahren.

Die ersten Tage wird es für uns in Richtung Osten gehen, bis wir die deutsch-polnische Grenze erreichen. Dort fahren wir entlang von Oder und Neiße bis nach Stettin, womit wir uns dann in Polen befinden. Immer mit der Ostsee im Blick ist dort unser nächstes Ziel die Stadt Danzig. Anschließend fahren wir weg von der Ostsee in die "grüne Lunge Europas", das Seengebiet Masuren wird erreicht. An Kaliningrad vorbei geht es danach nach Litauen, wo wir unsere genaue Route noch nicht bestimmt haben. Je nach Zeitpolster radeln wir nochmal an die Ostsee oder dann direkt nach Riga, der Hauptstadt Lettlands. Dort angekommen beginnt bei Marie am 04. September ihre Auslandsexkursion und für mich geht es am gleichen Tag zurück nach Deutschland.

Gegenüber unserer letzten Radreise durch Chile hat sich einiges geändert. Mit deutlich mehr Erfahrung im Gepäck geht es diesmal mit unsereren eigenen Rädern und anderen Erwartungen in die ersten Tage. Einer der größten Unterschiede gegenüber Chile wird das Höhenprofil unserer Etappen sein, denn wir rechnen mit größtenteils flachen Etappen. Und vielleicht schiebt uns ja auch der vorhergesagte Westwind in Richtung Osten. Wir hoffen es.

Heute Abend wollen wir gleich mal die Gastfreundschaft der Deutschen austesten. Ob sie uns wie die Chilenen auch in ihren Vorgärten zelten lassen?


Wir melden uns bald wieder, auch mit den ersten Bildern.

Marie & Felix