Als ich am 26.11.2009 auf ein Boda-Boda stieg (ein Motorradtaxi) konnte ich nicht wissen, was sich daraus ergeben würde.


Der Fahrer hieß Jonah und wir kamen während unserer Fahrt durch Kampala ins Gespräch.


Er erzählte mir, dass er acht Jahre lang auf der Straße gelebt hatte. Alles hatte angefangen als er 10 Jahre alt gewesen war. Er war drogenabhängig gewesen und war Teil des Systems geworden, welches es unter den Straßenkindern gibt. Wer da nicht mitmachte konnte nur schwer überlegben.Im Jahr 2000 wurde er und noch viele andere Straßenkinder Teil eines Projekts von deutschen Missionaren aus Lüdenscheidt, die sich als Ziel gesetzt hatten, den jungen Menschen in Uganda zu helfen. Im Jahr 2007, Jonah war mittlerweile ein anderer Mensch geworden, war das Projekt zu Ende. Jonah hatte seinen Glauben gefunden und hatte die Drogen und das Leben auf der Straße hinter sich gelassen. Und jetzt?



         



Er dachte, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Er, der selbst so viel Hilfe und Unterstützung erfahren hatte, sah seine Aufgabe darin, den aktuellen Straßenkindern in Kampala zu helfen. Also gründete er und sechs andere ehemalige Straßenkinder den "Young Christian Football Club". Jeden Samstag treffen sich bei der Lubiri Primary School ca. 20-30 Kinder, die sonst auf den Straßen Kampalas zu Hause sind. Sie singen, beten, spielen Fussball und unterhalten sich. Im Anschluss bekommen alle in ..... Slum noch eine warme Mahlzeit. Ab und zu trifft man sich auch unter der Woche, nur hat Jonah und seine Mitarbeiter das Problem kaum Geld zur Verfügung zu haben. Er verdient als Einziger etwas, indem er von morgen bis abends mit seinem Motorradtaxi durch Kampala fährt.



        



2 Monate später...


Nachdem Francis, Benni und ich das Ruwenzori-Gebirge bestiegen hatten, besuchten wir Jonah und seine Kids. Im Deutschlandtrikot nahm er uns in Empfang und zeigte uns seine Arbeit und seine Kinder. Den Kindern, vor allem Jungs, sah man deutlich an, dass sie auf der Straße lebten.Total verdreckt und oft nur mit einer Jacke bekleidet näherten sie sich uns schüchtern und wussten nicht so recht, was sie von uns halten sollten. Was wollen die Muzungus? Einige waren trotz der frühen Morgenstunde total am schwitzen und andere sahen so fertig aus, wie wenn sie die ganze Nacht durchgesoffen hätten. Trotzdem gaben sie uns die Hand. Einige der Jungs wollten unsere Hände gar nicht mehr loslassen und strahlten uns mit großen Augen an. Englisch kann kaum einer von ihnen.


Im Schatten eines großen Baumes sitzend wurden wir den Kindern vorgestellt und Jonah erzählte allen nochmal die Geschichte , wie wir uns damals während der Fahrt auf seinem Boda-Boda ins Stadtzentrum kennengelernt hatten. Danach sangen alle zusammen ein schönes Lied, begleitet von einer Gitarre, die ein ehemaliger Straßenjunge spielen gelernt hatte. Es folgte ein Gebet und im Anschluss durften wir uns selbst den Kindern vorstellen. Alles was wir sagten wurde direkt auf Luganda übersetzt, da alle nur sehr schlecht Englisch verstehen.



         



Nachdem die neuen Trikots, die mir die Firma "Kappa" vor meiner Reise zur Verfügung gestellt hatte, verteilt waren und wir uns gründlich aufgewärmt hatten, begann das Spiel. "Team Kappa" gegen das "Team Althemden" und wir Muzungus mittendrin. Wie das Spiel am Ende endete war ziemlich egal, denn alle hatten ihren Spaß gehabt.


Gemeinsam mit den Kids marschierten wir dann ins Ghetto, wie Jonah den Slum genannt hatte. Wir wurden durch eine dreckige und stinkige Gegend geführt und erreichten einen kleinen Unterstand (nichts anderes als eine aufgespannte löchrige Plane), der als Versammlungsort diente. Sonst würde man da wahrscheinlich nie hingehen, doch mit der Begleitung fühlten wir uns sicher. Während Jonah Essensmarken besorgte wurden wir von vielen kleinen Kindern umringt, die unbedingt fotografiert werden wollten. Als sie sich selbst dann auf dem Display sahen war das Geschrei groß. Um uns herum wurde bei mittlerweile wahrscheinlich 30°C Lufttemperatur Altmetall geschmolzen, dass dann zur Herstellung von Schöpflöffeln genutzt wurde.



         



Als das Essen fertig war verabschiedeten wir uns und sollten die Kinder lange in Erinnerung behalten.