Besonderheiten Ugandas


Essen

Fang ich direkt mal mit dem Wichtigsten an, dem Essen. Gegessen wird das, was auf dem eigenen Feld angebaut und geerntet warden kann. Und da selbst die Ärmsten immer ein Stückchen Land haben, auf dem sie die Sachen anbauen, die sie zum Überleben brauchen, unterscheidet sich unser Essen kaum von ihrem Essen. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass fast alles nur gekocht wird.

Ein typisches Essen sieht bei uns so aus. Es gibt Matooke (Kochbananen), die entweder ganz oder gestampft auf den Teller kommen und Posho (eine Art fester Brei), das aus Maismehl hergestellt wird. Dazu gibt es meistens Bijanjalo (Bohnen) und Dodo (erinnert mich an Spinat) und ab und zu auch mal Fleisch.
Einmal gab es Silberfischchen, die ich sonst nur aus dem Aquarium kenne und die mir auch nicht allzu gut geschmeckt haben. Vor was ich mich im Moment noch ein bisschen sträube sind die Heuschrecken, die man hier überall bekommt und die auch viel gegessen werden. Da werde ich mich aber bald mal ranwagen.

An Früchten gibt es in Uganda eigentlich alles und ist, was die Fruchtbarkeit des Landes angeht, wirklich ein Paradies auf Erden. Hier waechst echt alles. Bananen, Mangos, Orangen, Papayas, Melonen, die Jackfruit, die es bei uns in Deutschland nicht gibt, und noch vieles mehr.


Händchen halten

Das ist etwas, was man hier ziemlich häufig sieht, vor allem unter den Männern. In Deutschland würde man wahrscheinlich direkt als Homosexueller abgestempelt, hier in Uganda ist es ein Zeichen der Freundschaft.

Ob jung oder alt, man sieht hier super viele Männer die händchenhaltend durch die Stadt laufen. Ich wurde auch schon das ein oder andere mal an der Hand gepackt und musste mich erstmal daran gewöhnen. Einmal marschierte ich händchenhaltend mit einem Angestellten durch einen Supermarkt, weil ich ihn nach etwas gefragt habe und er mir dann zeigte, wo ich es finden kann.


Fussball

Fussball ist ein wichtiger Bestandteil der ugandischen Kultur. Und wenn man durch die Straβen von Kampala läuft sieht man sofort welche Liga hier besonders angesagt ist. Neben vielen Manchester United und Arsenal London Trikots, sieht man auch noch einige Liverpool und Chelsea Shirts. Hier sind alle verrückt nach der englischen Liga, jeder kennt die Namen der Spieler und fast jedes Spiel kann man live im Fernsehen sehen.

Das eigene Nationalteam, die Uganda Cranes, hingegen dümpeln irgendwo im Niemandsland herum. Bei der WM waren sie noch nie und ihre letzte Africa-Cup Teilnahme war im Jahr 1978, wobei sie dort mit dem 2. Platz das beste Resultat ihrer Geschichte erzielen konnten. Im Moment läuft der CECAFA-Cup (Council of East and Central Africa Football Associations), den sie schon 10 mal gewinnen konnten. Nach 2 Siegen gegen Tanzania und Rwanda geht es heute im letzten Spiel gegen Zanzibar (nur damit ihr euch vorstellen koennt gegen welche Länder die so spielen).

Und was die WM auf dem eigenen Kontinent im nächsten Jahr angeht, verdeutlicht ein Slogan einer groβen Firma ganz gut, wie groβ die Vorfreude hier im Land ist: “We can’t wait. Let’s go 2010.”

Neben dem Fussball sind vor allem noch die Sportarten Rugby und Cricket sehr beliebt.


Familienplanung

Die Bevölkerung Ugandas (Lebenserwartung: 51,7 Jahre) gehört zu den am schnellsten wachsenden weltweit. Wenn man das liest, kann man sich schon gut vorstellen, wie die Familien hier aussehen.

Im Schnitt hat jede Familie sieben Kinder (zum Vergleich in Deutschland 1,4 Kinder), wobei ein Mann oft 3-4 Frauen hat. Familien mit bis zu 30 Kindern sind keine Seltenheit. Gerade auf dem Land , wo ca. 90% der ugandischen Bevölkerung leben, ist der Glaube noch weit verbreitet, dass man nur dann ein richtiger Mann ist, wenn man viele Kinder zeugen kann. Sollte sich daran nichts ändern, wird sich die ugandische Bevölkerung bis zum Jahr 2050 etwa verdoppelt haben. Doch im Gegensatz dazu beschränken sich bei den “modernen” Ugandern in den Städten die Kinderwünsche oft auf 3-4 Kinder.

Die Kinder auf dem Land werden schon von klein auf bei der Arbeit auf den Feldern und zu Hause mit eingebunden. Die Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau sieht so aus, dass die Frauen vor allem in der Küche arbeiten und die Kinder erziehen. Ich habe bisher nur wenige Männer getroffen, die Kochen können. Die Aufgaben der Männer sind dagegen die Arbeit auf dem Feld bzw. Geld verdienen.


Fahrradtaxi

In Zeiten von Taxis und Boda Bodas etwas aus der Mode gekommen, sieht man die Fahrradtaxis heute vor allem noch in den flacheren Vorstädten. Diese sehr eleganten Räder sind die Vorgänger der Boda Bodas und wurden so umgebaut, dass auf dem Gepäckträger eine Person Platz nehmen kann. Dazu wurde der Gepäckträger mit zusätzlichen Streben verstärkt, darauf ein dickes buntes Kissen gespannt und an den Streben Tritte angeschweißt, auf denen der Fahrgast seine Füße abstellen kann. An manchen Rädern sieht man außerdem noch 2 Griffe, die links und rechts vom Sattel angebracht sind, an denen man sich dann festhalten kann. Wie man darauf sitzt unterscheidet sich je nach Geschlecht. Die Frauen im Frauensitz, die Männer im Männersitz. Diese Art der Fortbewegung empfiehlt sich besonders im Stau, wo die Räder deutlich schneller sind als die anderen Fahrzeuge.

Baut man das Kissen ab, hat man anstatt dem Fahrradtaxi einen Kleinlaster. Es ist wirklich unglaublich, was mit diesen Rädern alles transportiert werden kann und ich komme aus dem Staunen oft nicht mehr heraus, wenn ich sehe wie groß die Lasten teilweise sind. Ob Holzlatten, Kohlesäcke, Stahlträger für den Hausbau, Obst und Gemüse und vieles mehr. Transportiert wird einfach alles.


Stromausfall

Und immer dann, wenn ich gerade 5 Minuten vor dem Computer sitze. Den Eindruck habe ich auf jeden Fall immer. Fast täglich gibt es in der Stadt und auf dem Land einen Stromausfall, mit dem kleinen Unterschied, dass in der Stadt der Strom meistens schneller wieder da ist. Ist der Strom in der Stadt weg, kauft man beim Lärm des knatternden Generators oder im Dunkeln bzw. bei Taschenlampen- oder Kerzenlicht ein. Das ist hier ganz normal. Und für die Leute, die beim Arbeiten auf Strom angewiesen sind, bedeutet die stromfreie Zeit immer ein kleines oder größeres Päuschen, je nachdem ob der Strom für 5 Minuten oder einige Tage weg ist, was manchmal durch Bauarbeiten vorkommen kann. Fragt man nach dem Grund für die Stromausfälle bekommt man immer zu hören, dass es irgendwo im Land stark geregnet hat. Hm.

Bedenkt man aber, dass von den mehr als 30 Millionen Menschen im Land der Großteil auf dem Land lebt und gar keinen Stromanschluss hat, gibt es für die meisten Leute hier größere Probleme, als keinen Strom zu haben.

Indien

Indien, Indien, Indien. Irgendwie erinnert mich in Uganda vieles an Indien. Vor allem in Kampala fühle ich mich sehr oft an Delhi erinnert. In der Hauptstadt Ugandas laufen die Kühe frei durch die Gegend und zahlreiche Tempel weisen darauf hin, dass eine größere Anzahl von Sikhs und Hindus hier früher gelebt haben. Von den ca. 70.000 Asiaten, die 1972 unter Idi Amin vertrieben wurden, sind in der Amtszeit des aktuellen Präsidenten Yoweri Museveni (seit 1986) bis heute nur wenige Tausend zurückgekehrt. Die, die zurück gekommen sind, sind meiner Meinung nach alle große Geschäftsleute und beherrschen vor allem die Computerbranche in Kampala (in fast jedem Computerladen findet man einen Inder). Außerdem entdeckt man noch viele Parallelen zu Delhi, wenn man sich in Kampala den Dreck, das Chaos auf den Strassen und auf den Märkten (für mich war es zu Beginn ein großes Durcheinander und alles etwas hektisch, aber mittlerweile erkenne ich auch langsam ein System dahinter) und die Bettler anschaut.

Das tropische Klima ist hier durch die Höhenlage etwas gemilderter und nicht ganz so heiß wie in Delhi, jedoch ähneln sich die Vegetationen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Chapatti, Porridge und African-Tea (für mich nichts anderes als Chai-Tea) erinnern mich auch oft beim Essen an das ferne Indien. Und ob beim Boda Boda fahren, Klamotten kaufen oder auf dem Markt, überall kommt man um das Handeln nicht herum.