Kampala, 13.03.10

Hallo Zusammen,

bei mir bricht jetzt schon fast die letzte Woche meines Aufenthaltes in Uganda an. Die letzten Sachen werden erledigt, einige Mitbringsel werden gekauft und die Vorfreude nach Deutschland zurueck zu kehren steigt und steigt.

Im Februar hatten mich meine Eltern besucht und zusammen haben wir 3 schoene Wochen verbracht, in denen wir durchs ganze Land gereist sind. Mit im Gepaeck hatten sie allerhand Fussballausruestung, u.a. 8 Paar Fussballschuhe, 3 Baelle, 12 Trikots und 30 T-Shirts. Die Sachen wurden von Mats und Tina, zwei guten Freunden von mir aus Koeln gesammelt und meinen Eltern mitgegeben. Was mit der Fussballausruestung passiert ist will ich im Folgenden berichten (da warten glaube ich ein paar Leute drauf).

Ein kleiner Teil der Sachen, vor allem Trikots, schenkte ich Freunden, die mir ueber die ganze Zeit sehr ans Herz gewachsen sind. Die konnten es alle kaum glauben originale Trikots aus Deutschland zu bekommen, denn hier in Uganda kriegt man eigentlich nur gefaelschte Produkte, alles andere kann sich die Mehrheit der Menschen nicht leisten.

Ein Ball und einige der Shirts werde ich morgen Jonah geben, der ein ehemaliges Strassenkind war und heute einen Fussballclub trainiert, bei dem nur Strassenkinder mitspielen. Siehe bald unter Young Christian Football Club.

Und der Grossteil der Sachen ist bei den Jungs aus Ddundu gelandet, mit denen ich in meiner Zeit hier oft Fussball gespielt habe. Mit Nicholas, meinem besten Freund hier in Ddundu, habe ich besprochen, wie wir das am besten machen koennen, denn fuer alle Jungs (insgesamt um die 20-30) haetten die Sachen nie gereicht. Letzten Endes sieht es so aus, dass Nicholas nun als Manager fungiert. Er bringt die Sachen immer zu den Spielen mit, verteilt sie an die Leute, die im Training gut mitgemacht und Leistung gezeigt haben und waescht sie alle im Nachhinein. Die Schuhe werden nach jedem Spiel saeuberlichst geputzt, doch leiden sie schon, wie auch der nagelneue Fussball, unter den schlechten Bedingungen auf dem Fussballfeld. Einige Stellen bestehen aus harter Erde, an den vielen kleinen Termitenhuegeln bleibt man auch mal gerne haengen und der Stacheldraht 4m hinter dem Tor ist vielleicht auch nicht die beste Idee.

In den 2 Wochen seit ich den Jungs die Sachen mitgebracht habe hat sich hier einiges veraendert. Man kann durchaus sagen, dass wir mit den neuen Sachen einen grossen Stein ins Rollen gebracht haben. Von Training zu Training kommen immer mehr Leute, die frueher schon irgendwann mal mitgespielt haben, dann aber keine Lust mehr hatten und alle wollen jetzt unbedingt die neuen Trikots und Schuhe tragen. Dadurch ist der Konkurrenzkampf im Team deutlich angestiegen und jeder gibt immer Vollgas. Trainiert wird jetzt auch nicht mehr nur 2-3 Mal die Woche, sondern jeden Tag!

Wenn die Sonne beinahe schon hinter den Baeumen verschwindet kommen die Ersten zum Fussballfeld, manche auch erst bei der Einbruch der Dunkelheit. Bis die grossen Jungs den neuesten Dorfklatsch ausgetauscht haben und ihre neuen Trikots angezogen haben duerfen auch die Kleinsten mit dem neuen Ball spielen, was fuer alle immer ein grosses Ereignis ist. Es ist einfach eine grosse Gemeinschaft und alles wird unter allen geteilt. Das ist immer sehr schoen anzuschauen.

Nachdem dann Patrick, der neue Manager des Teams, die zwei Mannschaften eingeteilt hat geht es auch im Training gut zur Sache, denn jeder will ja beim naechsten Spiel in der Startelf stehen und eines der begehrten Krawattentrikots tragen. Ich bin da immer ganz froh, dass ich mich noch nicht verletzt habe. Ein grosser Teil der Jungs spielt immer noch barfuss, da die Schuhe nicht fuer alle reichen und da sich viele vom Ddundu FC wissen alle gut mit dem Ball umzugehen und koennen viel einstecken (und auch austeilen), allerdings sind alle etwas zu ballverliebt und ihnen mangelt es an der Spieluebersicht. Aber das hat sich im Verlauf der letzten Wochen auch schon deutlich verbessert.

Der absolute Hoehepunkt der letzten zwei Wochen seit ich wieder mit den Jungs spiele (davor war ich beinahe 2 Monate durch Uganda gereist) fand am letzten Montag statt. Gegen den Erzrivalen aus Kalagala konnten wir bisher noch nie gewinnen. In den Spielen, bei denen ich dabei gewesen war gab es ein Unentschieden und eine knappe Niederlage. Das lag zum Grossteil an Eddie, dem Riesen. Er ist wirklich riesig und super durchtrainiert und besitzt die Technik eines Jan Kollers. Hat er einmal den Ball ist es schwer ihm diesen abzunehmen.

Nachdem wir uns in den bunten Trikots warm gemacht hatten lief unsere beste Elf dann in den weissen Hemden auf. Und ich moechte behaupten, dass wir mit denen auf jeden Fall zu den schicksten Teams in Afrika gehoeren. Sieht einfach nur Klasse aus. Vor dem Spiel wurden noch schnell Nummern auf die Rueckseiten geschrieben, wie es sich nunmal gehoert.
Die Zuschauerzahlen haben sich auch deutlich erhoeht, da alle mal einen Muzungu spielen sehen wollen. Hab in meiner Zeit hier viele Fans gewonnen. Aus Ddundu waren der Dorfvorstand und die Dorfaeltesten mitangereist und standen nun in grosser Erwartung am Spielfeldrand.

Frueh gerieten wir in Rueckstand, doch kaempften wir uns schnell zurueck (wir hatten Eddie diesmal gut im Griff) und konnten das Spiel am Ende ueberlegen mit 4:1 gewinnen. Manch einer Sprache davon, dass wir Rache genommen hatten...

Nach einer laengeren Torflaute traf auch ich wieder und das gleich zwei Mal. Im Anschluss war es ein unglaubliches Gefuehl, als alle anderen 10 Spieler auf mich zugerannt kamen und mich in die Luft hoben. Die meisten koennen kein Englisch, aber ich merke gerade in solchen Situationen, dass ich im Team gemocht werde und sich alle immer riesig freuen, wenn ich zum Training und zu den Spielen erscheine.

Und an das was sich dann nach dem Spiel immer abspielt habe ich mich mittlerweile auch schon gewoehnt. In Ruhe umziehen gibt es fuer mich naemlich nicht. Ich werde immer von 10-20 Kindern in einem Abstand von 1-2 Metern umringt (dahinter stehen dann auch immer noch einige Erwachsene), die alle mit weit aufgerissen Augen interessiert zuschauen, wie ich mich umziehe. Ob der weissen Hautfarbe dachte der ein oder andere schon ich sei angemalt und die vielen Haare auf der Brust und an den Beinen sehen ja auch ganz schoen komisch aus. Einfach nur lustig.

Wenn es bald zurueck nach Deutschland geht werde ich die Jungs und solche Situationen auf jeden Fall vermissen.

Vielen Dank nochmal an alle, die bei der Sammelaktion von Mats und Tina beteiligt waren. Alle haben sich wirklich riesig gefreut und ihr seid herzlich eingeladen auch mal mitzuspielen.

Ich freue mich mittlerweile schon wieder riesig auf Deutschland.

Bis bald,

Felix


Kampala, 29.01.10

Liebe Leser,

nach einem aufregenden Monat schaffe ich es endlich mal wieder euch mitzuteilen, was hier in Uganda so los ist. Benni und Francis, die seit Ende Dezember bei mir in Uganda sind, vertreiben sich die Zeit gerade mit den letzten Einkaeufen, da sie am Sonntag nach Hause fliegen.

In den letzten 4 Wochen wurden alle Berge bei traumhaften Verhaeltnissen erfolgreich bestiegen und viele sehr schoene Fotos gemacht. Im Moment arbeiten wir an den ausfuehrlicheren Berichten fuer die Homepage und hoffen, euch bald davon hier berichten zu koennen.

Bis dahin noch ein wenig Geduld.

Felix


Kampala, 02.12.09

Kaum bin ich in Uganda angekommen ist auch schon wieder der erste Monat vergangen. Bis auf den Hochzeitsausflug an die kongolesische Grenze direkt nach meiner Ankunft in Uganda habe ich bisher von diesem Land, das sich in sehr vielen Bereichen von Deutschland unterscheidet, noch nicht so viel gesehen. Eigentlich nur Ddundu und Kampala.

Ddundu ist ein kleines “Dorf”, ca. 32km von Kampala entfernt. Hier hat Speciosa “Mummy” Wandira Kazibwe, ehemalige Vizepräsidentin Ugandas und meine neue zweite Mama, vor Jahren Land gekauft und einen Bauernhof gebaut. Dieser Bauernhof, der von vielen Mais-, Bananen- und Bohnenfeldern umgeben ist und eigentlich von der Hühnerzucht lebt (nur gerade sind keine da), ist in kürzester Zeit mein neues Zuhause geworden. Dort habe ich viele neue Freunde gefunden, die mir die ugandische Lebensweise näherbringen, sich freuen, wenn der Muzungu auf dem Feld mithilft und die mir Vieles, was für mich oft noch unverständlich ist, erklaeren. Wenn mal Strom da ist, verbinge ich die Zeit mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit. Wenn kein Strom da ist, was relative häufig der Fall ist (aber dazu spaeter mehr) marschiere ich über die Felder und helfe beim Pflanzen und Ernten und lerne viele Sachen, die einem der Computer oder Fernseher zu Hause nicht beibringen kann.

Ist der Verkehr mal nicht völlig verstopft, was leider nur selten vorkommt, erreicht man Kampala, die Haupstadt Ugandas, in ca. 45 Minuten. In der Stadt, die mich oft an Delhi (Schmutz, Chaos, Handeln beim Einkaufen, Klima, Vegetation) erinnert, kenne ich mich mittlerweile schon ganz gut aus und lasse mich auf dem Weg ins Büro von den Ugandern nicht mehr so leicht abziehen. Das Büro gehört Alan, er ist Ugander und Chef von “Equatorial Wild Safaris”. Da ich versuchen werde ihm und auch John von “Rwenzori Trekking Services Ltd.” (bei dem es mit der Festanstellung doch nicht geklappt hat, was mir aber ganz recht ist) in einigen Bereichen zu helfen, hat Alan mir angeboten sein Büro mit zu benutzen.

Der erste Monat war schon mal eine super Zeit. Ich geniesse es, jeden Tag kurze Hosen zu tragen, frisch gepflückte Mangos, Papayas, und noch vieles mehr zu essen und verliere auf Grund dessen so gut wie keinen Gedanken an die Weihnachtszeit. Trotzdem will ich am Wochenende mal Plätzchen backen und bin auf die Reaktionen hier gespannt.

Da sich bei mir bis Ende Dezember, wenn dann endlich meine Bergsteigerkollegen Francis und Benni für einen Monat nach Uganda kommen, außer der Diplomarbeit nicht viel tun wird, versuche ich euch das Land anhand vieler Besonderheiten näher zu bringen.

Bis bald.

Der Felix

Kampala, 17.11.2009

Und diesmal Neuigkeiten aus der Welt des Sports...

Muzungu überzeugt bei Unentschieden

In seinem ersten Spiel für Ddundu konnte der Muzungu zur Überraschung der meisten Zuschauer voll überzeugen.
Nach ausgeglichenen 90 Minuten trennten sich die Mannschaften 3:3 Unentschieden.

Ddundu. Zur Verwunderung aller nahm an diesem Freundschaftsspiel ein Muzungu teil. Das hatte es in der Geschichte von Ddundu noch nie gegeben. Auf einem Fußballfeld, das mehr einer Almwiese glich und vor lauter Hügeln in Deutschland als unbespielbar bezeichnet würde, trafen an diesem ca. 25°C warmen Donnerstag zwei spielstarke Mannschaften aufeinander. Nachdem man sich dem Gegner per Handschlag vorgestellte hatte und die Spieler ihre Positionen eingenommen hatten, ein Teil der Spieler spielten sogar ohne Schuhe, pfiff der Schiedsrichter die Partie an. Er wurde dabei von zwei Assistenten unterstützt, die mit Buschwedeln winkend immer auf Höhe des Balles waren und jedes noch so kleine Foul und Abseits sahen. In der ersten Halbzeit unterlief dem Muzungu, der in Chucks, normaler Hose und Hemd spielte, ein folgenschwerer Fehler. Da er mit dem Spielfeld nicht vertraut war, übersah er den Trampelpfad, der gleichzeitig die Auslinie darstellte. Der schnelle Einwurf führte zum 0:1.
Nachdem in der ersten Halbzeit nichts Erwähnenswertes passiert war, pfiff der Schiedsrichter pünktlich ab. In der Pause, in der das Team von ca. 20 Schaulustigen umringt wurde, die den Muzungu mit ihren interessierten Blicken durchbohrten, wurden die Probleme besprochen und entschieden, den Muzungu weiter vorne Spielen lassen. Eine Entscheidung, die im späteren Spielverlauf von Erfolg gekrönt sein sollte.
In der zweiten Halbzeit sahen die ca. 60 Zuschauer zwei schnelle Tore für den Gegner, Folge allgemeiner Schläfrigkeit in den Reihen von Ddundu. Was nun folgen sollte, war noch Wochen nach dem Spiel das Hauptgesprächsthema im Dorfzentrum von Ddundu. Nach einer stramm getretenen Ecke konnte der Muzungu seine Kopfballstärke ausnutzen und zum 1:3 einnetzen. Jeder der Spieler war außer sich und beglückwünschte den Muzungu, der es selbst nicht glauben konnte, was da passiert war. Von nun an konnte man die Wörter „Muzungu“ (Luganda für: weißer Mann) und „bulungi nno“ (Lusoga für: sehr gut) immer öfter in einem Satz hören. Kaum war der Ball aus den Gemüsebeeten des Nachbarn geholt, fand der nächste lange Pass aus den Abwehrreihen von Ddundu erneut den Kopf des Muzungu, der diesmal jedoch nicht so abgeklärt war und den Ball an die zusammengenagelte Baumstammlatte köpfte. Durch eine Unkonzentriertheit des gegnerischen Torwarts konnte Ddundu in der Folgezeit zum 2:3 verkürzen.
Als der Muzungu zu seiner letzten Glanztat während dieses Spiels ansetzte, rieben sich die meisten der Zuschauer verwundert die Augen. Nicholas, mit dem der Muzungu in seiner Zeit in Uganda viel unternimmt, flankte einen langen Ball nach Vorne, den der Muzungu diesmal per Fallrückzieher direkt nahm und nur knapp über das Tor schoss. Der Ball landete in den vielen Avocado- und Mangobäumen die das Spielfeld umgaben. Als der Schiedsrichter in der letzten Minute einen Elfmeter für Ddundu pfiff kannten die Zuschauer kein halten mehr. Völlig außer sich stürmten sie das Spielfeld und umringten den 16er. Der Spieler von Ddundu behielt in dieser sehr hektischen Phase die Ruhe und traf eiskalt zum 3:3, was gleichzeitig das Endresultat darstellte. Die Mannschaft aus Ddundu feierte im Anschluss das Unentschieden wie einen Sieg und der Muzungu wurde von allen Mitspielern gebeten, beim nächsten Mal doch bitte wieder zu kommen. Kaum waren die Spieler und Zuschauer verschwunden, marschierten die Kühe auf das Spielfeld und waren froh, ihre Weide wieder für sich alleine zu haben.

In meinem ersten Eintrag hatte ich geschrieben, dass ich ab dem 15.11.09 in den Rwenzori-Bergen sein werde. Da ich aber die Vorbereitungen für meine Untersuchung im Rahmen der Diplomarbeit noch nicht abgeschlossen habe, werde ich das auf Januar verschieben.

Viele Grüße,

Felix


Kampala, 10.11.2009

Bei vielen Menschen ruft das Land Uganda Erinnerungen an zum Großteil negative Ereignisse hervor. Der Name Idi Amin oder auch der „Schlächter von Kampala“ genannt (Staatsführer von 1971-1979) weckt Assoziationen an Bürgerkrieg, Massenmord, Vertreibung und andere Gräueltaten. Im Norden des Landes, an der Grenze zum Sudan, kommt es noch heute immer wieder zu Rebellenübergriffen der LRA (Lord’s Resistance Army) unter ihrem Führer Joseph Kony. Die UN bezeichnet die Situation dort als die „Größte vernachlässigte humanitäre Krise weltweit“.
Doch abgesehen davon gilt die Sicherheitslage in den für touristische Besuche interessanten Landesteilen als ausgezeichnet. Ich ließ mich von den erwähnten Ereignissen nicht abschrecken und bin nach Uganda gekommen, um die Vielfalt und Einzigartigkeit der ugandischen Natur zu erkunden und die Menschen hier kennen zu lernen.

Dank dem Kontakt zur ehemaligen ugandischen Vizepräsidentin Speciosa Wandira Kazibwe wurde ihr Anwesen, ca. eine Autostunde von Kampala entfernt, mein neues Zuhause. Bei meiner Ankunft wurde ich von allen herzlich empfangen und kaum war ich da, begann auch schon die erste größere Reise durch Uganda zur Hochzeit einer Verwandten.

Um nach Kampala zu kommen, wo ein Reisebus auf Suluman und mich wartete, mussten wir erstmal auf ein „Taxi“, das ist hier ein kleiner Minibus, warten. Da es keinen genauen Plan gibt stellt man sich an die Strasse und wartet. Und das solange bis irgendwann ein weißer Bus angerauscht kommt. Man hebt die Hand, und wenn noch ausreichend Platz im Bus ist hält dieser an. Als sich die Schiebetür öffnete hätte ich gesagt, dass der Bus voll ist. Doch als Suluman ohne mit der Wimper zu zucken einstieg folgte ich ihm. Wir zwängten uns neben einen Mann, der seinen kompletten Computer dabei hatte und ich staunte nicht schlecht als während unserer Fahrt noch 3 weitere Mitfahrer einstiegen. Insgesamt waren am Ende 16 Leute in dem „Taxi“, das eigentlich nur Platz für 12 Personen hat.
In den Außenbezirken Kampalas angekommen steckten wir schnell in einem Stau, der den Verkehr in der Stadt jeden Tag morgens und abends zum Erlahmen bringt. Ist das der Fall kommt das „Boda-Boda“ ins Spiel, ein Motorradtaxi. Und natürlich sitzt man da nicht nur zu zweit drauf, sondern zu dritt. So düsten wir dann durch die verstopfte Stadt und erreichten kurze Zeit später den Reisebus, der uns zur Hochzeit bringen sollte.

Die Busfahrt führte uns durch ein überraschend grünes Land. Eine Folge der kleinen Regenzeit, in der wir uns gerade befinden. Neben Bananen und Mais werden vor allem Tee und Kaffee angepflanzt, die das ganze Jahr über wachsen. Einen Winter wie wir ihn in Deutschland haben kennen die Menschen hier nicht. Grund dafür sind die Durchschnittstemperaturen, die im zentralen Landesteil zwischen 15°C und 27°C liegen.
Während der Fahrt nach Bundibugyo, knapp vor der kongolesischen Grenze gelegen, wurde ich schnell von den Verwandten von Speciosa in der Familie aufgenommen und fühlte mich richtig wohl.

Nach einer ekligen Nacht, die mich gelehrt hat auf was man alles achten muss, bevor man sich ein Zimmer mietet, wurde ich von den Männern der Familie in etwas eingeführt, was man in Deutschland immer weniger findet und was in der ugandischen Gesellschaft ein wichtiger Bestandteil ist. Gelassenheit. Irgendwie ist alles viel gemütlicher. Man sitzt einfach mal da, beobachtet und redet miteinander. Und das über mehrere Stunden. Während wir Männer das Leben genossen packten die Frauen die Geschenke ein und machten sich selbst für die Hochzeit hübsch. Die Damen tragen bei solch einer traditionellen Hochzeit eine Gomesi, die Männer unter ihrem Sacko ein Gewand, das man hier Kanzu nennt.
Die Hochzeitseinführung fand dann auf dem Land statt. Da zum Großteil Lusoga oder Luganda gesprochen wurde, verstand ich leider nicht alles, was während der vier Stunden vor sich ging. Mir wurde aber gesagt, dass alles einem kleinen Schauspiel gleicht. Erst weiß man nicht genau wer die Braut ist, danach muss die Braut dann ihren Mann finden, der sich unter den Gästen befindet. Und das ganze wird von Musik begleitet, die bei uns auf keiner Hochzeit laufen würde.
Zum Abschluss haben wir, die Gäste, dem Brautpaar dann noch viele Geschenke überreicht (u.a. ein Kühlschrank, alkoholfreie Getränke, ca. 400l Bier, irgendetwas Selbstgebrautes und noch vieles mehr). Nach dem abschließenden Essen, auf das ich ein anderes Mal genauer eingehen werde, ging es für uns dann mit dem Bus zurück in Richtung Ddundu, wo die neuen Eindrücke erstmal verarbeitet wurden.


Bis bald,

Felix


Kampala, der 05.11.2009

Nachdem ich vor knapp einer Woche in Deutschland aufgebrochen bin, melde ich mich jetzt mit etwas Verspätung ein erstes Mal aus Uganda. Einem Land, das zu den ärmsten Ländern dieser Welt gehört.

Vor etwa 10 Jahren bin ich auf dieses Land aufmerksam geworden, als ich in einer Zeitschrift einen Bericht über das Rwenzori-Gebirge gelesen habe. Entstanden ist dieses Gebirge nicht wie so viele andere Berge in Afrika durch vulkanische Aktivitäten, sondern durch einen Auffaltungsprozess am Ostrand des Zentralafrikanischen Grabenbruchs („Albertine Rift Valley“). Durch diesen Vorgang ist heute das Mt. Stanley Massiv entstanden und enthält mit dem Margherita (5109m) den dritthöchsten Berg Afrikas. Rund um den Mt. Margherita gibt es noch weitere Berge über 4800m.
Der Name „Rwenzori“ ist ein Begriff aus der Sprache des dort lebenden Bakonjo-Stammes und bedeutet so viel wie „Regenmacher“. Betrachtet man die Regenmengen, die in diesem Gebiet niedergehen, scheint es keinen passenderen Namen zu geben, denn es regnet ca. 320 Tage im Jahr bei einem mittleren Jahresniederschlag von über 3000mm. Das kann durchaus auch der Grund gewesen sein, warum die „Mountains of the Moon“ erst 1888 entdeckt wurden. Denn da sie die meiste Zeit in Wolken gehüllt sind, sind die großen Afrikaexpeditionen schlichtweg vorbeimarschiert.
Am meisten angetan war ich neben der Schönheit dieser Berge und der besonderen Tier- und Pflanzenwelt vor allem davon, dass dieses Gebiet im Gegensatz zum Kilimanjaro, der von Menschenmassen überrannt wird, kaum bereist wird und dadurch einen Teil seiner Unzugänglichkeit und Faszination gewahrt hat.

Heute, ca. 10 Jahre nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, bin ich nach langer Vorbereitung und Planung den Mondbergen ganz nahe. Gemeinsam mit Francis Bern und Benjamin Eichert, die mich im Januar für einen Monat besuchen kommen, werden wir versuchen die höchsten Gipfel dieses Gebirges zu erklimmen. In der Vorbereitung konnten wir wieder einige Sponsoren für unser Projekt gewinnen, die uns mit ihrem Material unterstützen. Wir hoffen, dass wir in den Vorträgen, die wir nach der Tour halten werden, von tollen Erlebnissen berichten können.
Während der 5 Monate, die ich in Uganda verbringe, werde ich aber nicht nur die Füße hochlegen, Spaß haben und die angenehmen Temperaturen genießen. Vielmehr versuche ich meine Diplomarbeit für mein Sportstudium hier zu schreiben. Und wie es der Zufall so will wird das Rwenzori-Gebirge (so wie es im Moment aussieht) einen wichtigen Teil in meiner Arbeit spielen. Gestern habe ich mich mit John R. Hunwick getroffen, einem 61 jährigen Australier, der seit 20 Jahren in Uganda lebt und die Firma „Rwenzori Trekking Services“ gegründet hat. John war so begeistert von meinen Plänen, Ideen und den verschiedenen Möglichkeiten wie ich ihn unterstützen kann, dass er mich jetzt für die komplette Zeit, die ich in Uganda sein werde, als Mitarbeiter einstellen will. Im Rahmen dessen werden wir am 15.11.2009 ein erstes Mal in die Berge aufbrechen.

In meiner Zeit in Uganda werde ich versuchen euch das Land, die Menschen und die Kultur etwas näher zu bringen.

Solltet Ihr irgendwelche Fragen oder nützliche Hinweise haben würde ich mich freuen, wenn Ihr mir die im Gästebuch mitteilen könnt.

Viel Spaß bei den künftigen Berichten und Bildern wünscht,

Felix Polzer


P.S. Ein weiterer Bericht und die Erklärung zu den Bildern folgt in Kürze.