“Er, der Schöpfer, der diese ewigen Berge gebildet, ihre Abhänge mit Moos und Flechten und zarten Kräutern bekleidet, sie in Myriaden von Wasserläufen für das Herabströmen des geschmolzenen Schnees in die fruchtbaren Täler geteilt, mit jenem mächtigen, unendlichen Wald bedeckt und seinem Laubwerk den nie schwindenden Glanz gegeben, hat sicherlich beabsichtigt, dass dies Land für Höheres als eine Brutstätte für Vögel und einem Lagerplatz für Reptilien aufbewahrt werde, bis sich die Zeit erfüllt hat.”

Henry Morton Stanley (1888) – Die Entdeckung



Im Jahre 150 nach Christus schrieb der alexandrinische Geograph Ptolemäus von einem mit Schnee bedeckten Gebirgszug, der sich mitten im Herzen Afrikas befinden sollte. Er behauptete, in den Bergen befände sich die Quelle des Nils und nannte sie „The Mountains of the Moon“. Über die Jahrhunderte verschwand diese merkwürdige Vorstellung von tropischem Schnee ins Reich der Mythen und auch für John Speke, der den Nilausfluss im Victoriasee als Erster entdeckt hatte , waren die Mondberge nichts anderes als ein erfundener Ort. Es dauerte solange, bis Henry Stanley im Jahre 1889 aus Zentral Afrika zurückkam und verkündete, dass die Berge tatsächlich existierten. Er benannte sie nach dem Namen, den die Eingeborenen den Bergen gegeben hatten: Rwenjura oder „Regenmacher“.

Obwohl sich die Berge nur wenige Kilometer nördlich des Äquators befinden entdeckte man dort in den höchsten Lagen Gletscher und schneebedeckte Gipfel, deren Schmelzwasser die höchstgelegene Quelle des Nils darstellen.

Nach der Entdeckung durch Stanley scheiterten viele Versuche aufgrund des Wetters, die höchsten Gipfel zu vermessen oder gar nur zu beobachten. Im Jahre 1906 plante Ludwig Amadeus von Savoyen, Herzog der Abruzzen, seine Expedition sorgfältiger und kam in den Monaten, in denen es weniger regnete. Damals war er mit der Erstbesteigung der höchsten Gipfel, deren Vermessung und Kartierung erfolgreich.

Ca. 104 Jahre später machten wir uns auf diese Besteigung zu wiederholen. Aufmerksam auf die Berge wurde Felix bereits vor ca. 10 Jahren. Damals bekam Felix die Geschichte der Rwenzori-Berge von einem Freund erzählt und die mystischen Berge ließen ihn fortan nicht mehr los. Es war immer ein Traum von ihm gewesen, einmal in diese Gegend zu reisen und die Berge zu besteigen. Im Jahr 2010 landete Felix, wie es der Zufall so wollte, dann für 5 Monate in Uganda, wo er an seiner Abschlussarbeit zum Thema „Abenteuertourismus in Uganda und sein Potential“ arbeitete. Und was würde da nicht besser dazu passen, als eine Besteigung des höchsten Gebirgszugs Afrikas, der allein von Kilimanjaro (5895m) und Mt. Kenya (5199m) überragt wird. Also plante er dieses Abenteuer mit Francis und Benni, zwei guten Freunden, mit denen er in der Vergangenheit schon vieles in den Bergen erlebt und durchgemacht hatte. Materialtechnisch konnten sie in der Vorbereitung wieder einige Sponsoren für dieses Unternehmen gewinnen und Francis und Benni stießen im Januar 2010 mit viel neuer Ausrüstung zu Felix, der zu dieser Zeit bereits mehr als 2 Monate in Uganda verbracht hatte.

Nach der Besteigung des Mt. Elgon machten wir uns auf nach Kampala. Gemeinsam mit John Hunwick, dem Besitzer des Backpacker Hostels und dem Gründer der Firma Rwenzori Trekking Services, fuhren wir dann in den äußersten Westen des Landes, wo sich an der Grenze zum Kongo die Rwenzori-Berge befinden. John Hunwick ist Australier und seit über 20 Jahren im Land und versucht seitdem ein alternatives Wanderwegenetz zum bisher Bestehenden anzulegen. Dabei  hat er mit den alltäglichen Problemen in Uganda zu kämpfen.

Am späten Abend des 11.01.2010 kamen wir dann in Kilembe an. Dieses kleine Bergdorf liegt in den Ausläufern der Rwenzori-Berge und ist Ausgangspunkt für die Besteigung der höchsten Gipfel. Früher boomte dort der Kupfer- und später der Gold-Bergbau und das Dorf beherbergte über 20.000 zum Großteil weiße Minenarbeiter. Doch in seiner Zeit als Diktator von Uganda (1971-1979) vertrieb Idi Amin, der dort selbst Gold abbauen wollte, alle Weißen und damit das Wissen, wie alles funktioniert. Im Lauf der Jahre verfiel alles zunehmends und heute arbeitet keiner mehr in den Minen. Die Menschen, die heute in den alten Häusern wohnen gehören zum Volksstamm der Bakonjos. Sie zahlen im Monat ca. 3 Euro Miete an die Regierung, Wasser und Strom inklusive.

„Sie sind von sehr kleinem Wuchs und behaupten, die Rwenzori-Berge am besten zu kennen.“

Die aktuelle Regierung Museveni überlegt sich im Moment, den Minenbetrieb im Tagebau wieder aufzunehmen, wobei man die Ausläufer der Rwenzori-Berge einfach komplett abtragen würde (was deutlich kostengünstiger ist).Und es gibt sogar Pläne im Park nach Öl zu bohren. Beides würde die Berge und den Nationalpark (998km²) nicht wirklich attraktiver machen.

Wie im Vorhinein mit John abgesprochen führten wir für die Führer und Träger von Rwenzori Trekking Services ein Training durch, bei dem sie einige fürs Klettern und Bergsteigen wichtige Techniken erlernen sollten. Dafür kamen wir günstiger auf den Berg.

Bei sehr warmem Temperaturen und traumhaftem Wetter hatten wir während der 4 Tage Training mit allen viel Spaß. Als der Dorfvorstand am ersten Tag in einer Rede die Wichtigkeit dieses Trainings und die Möglichkeiten, die sich durch eine Anstellung bei RTS ergeben würde, andeutete merkten wir zum ersten Mal, was uns eigentlich erwartete bzw. welch Hoffnungen in uns gesteckt wurden. Durch John haben sie eine große Chance ein für ugandische Verhältnisse gutes Geld zu verdienen. Dementsprechend motiviert waren sie dann beim Training auch, auf das wir hier gar nicht genauer eingehen wollen. Nur soviel, Themen bzw. Techniken des Trainings waren die Lose Rolle, mit Steigeisen in einer Seilschaft laufen, Knoten lernen, Klettern und sichern lernen, Teamtraining, etc.

Uns erstaunte es wie motiviert und interessiert alle während der vier Tage waren und auch wie schnell sie neue Techniken erlernten und beherrschten. Alle wollten immer mehr lernen, nie wurde gemeckert oder rumgeschrien (dafür war John zuständig) und was das gegenseitige Helfen anging, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sobald einer nicht mehr weiter wusste standen sofort 3-4 Andere um ihn herum und zeigten ihm wie es geht. Alles war zwar etwas hektisch und chaotisch, aber am Ende funktionierte es immer. Höhepunkt des Trainings war, als Kapundu, der erfahrendste Träger, beim Klettern oben ankam, losließ und vor lauter Freude im Seil hängend laut anfing zu schreien. Er kann kaum Englisch, ist auf seine Art super lustig und war in der Vergangenheit viel in den Rwenzori-Bergen unterwegs gewesen. Zum einen hatte er dort gegen die ADF-Rebellen (Allianced Democratic Forces) aus dem Kongo gekämpft und danach als Wilderer im Nationalpark seinen Lebensunterhalt verdient. Dementsprechend gut kennt er sich in den Bergen aus und war für John, bei der Planung der Wege eine große Hilfe. Bald ist er in der Doku "Mbambu & The Mountains Of The Moon" über das Leben in den Rwenzori-Bergen zu sehen. Mehr dazu unter Lunam Docs.

Wir haben mit unserem Training und unserer einheitlichen Columbia-Kleidung im ganzen Dorf viel Eindruck gemacht und am Ende war sogar John, der am Anfang etwas kritisch war und nicht wusste wie das alles enden würde, schwer angetan von unserem Training: „You started a revolution!“

 

1. Tag: Kilembe (ca. 1400m) – Samalira Camp (3147m) – Make those fuckers run

Ganz nach Johns Motto “Make those fuckers run” ließen wir die Bakonjos gleich am ersten Tag weit hinter uns. Und das obwohl wir nicht wirklich schnell gelaufen waren und während der 3 ½ Stunden viele Bilder gemacht hatten.

John hatte uns die erste Strecke noch mit seinem Jeep gefahren. Wir kamen uns dabei etwas komisch vor, aber das ist hier wohl so üblich. Nachdem wir uns bei dem UWA-Gate (Uganda Wildlife Authority) eingetragen und bezahlt hatten, machten sich insgesamt 16 Leute auf den Weg. 16 Leute (2 UWA-Ranger, 5 möchtegern Führer, 6 Träger und wir drei), wir konnten es kaum glauben. Ursprünglich wollten wir alleine in die Berge, doch man ist gezwungen es organisiert zu machen. Sonst kommt man nicht in den Nationalpark.

Sobald wir die Nationalparkgrenze durchschritten hatten führte uns der Wanderpfad erst flach durch einen, von Affen- und Vogelgeschrei erfüllten Regenwald. Links und rechts flogen bunte Schmetterlinge auf und der Weg war gesäumt von bunten Blumen.

„Hier umgab uns der tropische Wald in seiner ganzen Vollkommenheit. Wir sahen dort etliche Ölpalmen, Gruppen anderer Palmen, riesenhafte Baumfarne, wilde Bananen und hohe, stattliche Bäume, alles vom Wipfel bis zur Wurzel mit weichem grünen Moos bedeckt, undurchdringliche Dickichte von breitblätterigen Pflanzen und überall Perlen von Feuchtigkeit sowie schmal Rinnsale, die alle paar Meter unter dem verworrenen lebhaften Grün und betauten Unterholz hervorquollen. Es war das beste tropische Gewächshaus, welches ich je gesehen habe; es hätte nicht vortrefflicher sein können, selbst wenn die Kunst nur zur Verbesserung der Natur hätte beitragen können.“ Henry Morton Stanley, 1889

Einige Bergbäche überquerend erreichten wir bald die Stelle, von wo es dann steiler in Richtung Samalira Camp bergan ging. Von da an wurde es deutlich anstrengender. Bei noch sehr schwülem Wetter kämpften wir uns durch dichtbewachsenen Regenwald, der kaum mal eine Sicht ins Tal zuließ. In Schweiß gebadet erreichten wir dann den hohen Bambuswald und wunderten uns, dass wir ganz alleine vornedraus liefen. Von unseren Führern und Trägern war weit und breit nichts zu sehen und zu hören. Wir entschieden uns alleine weiter zu laufen und erreichten bald das Camp. Dieses, wie auch die anderen Camps, besteht im Moment nur aus großen Zelten, da das nötige Geld für den Bau von Hütten noch fehlt. Alles ist etwas einfacher. So sind die Klos nur mit einer Plane umspannt, es gibt nicht wirklich einen Platz zum hinsetzen und deshalb waren wir um so mehr erfreut zu sehen, dass es in den Zelten Betten gab.

Als dann die ersten Bakonjos ca. 1 ½ Stunden später im Camp ankamen erlebten wir, wie Bergsteigen in Afrika ist. Sofort wurde das Radio ausgepackt und zu Dancehall- und Reggae-Klängen wurde alles weitere vorbereitet. Dass man in die Berge geht um die Ruhe zu genießen kennen die hier nicht. Aber gut, man lernt ja immer dazu.

„So mitten in der tiefsten Wildnis die ewige Natur belauschen, darin liegt die Poesie der großen Forschungsreisen, die nur der zu würdigen weiß, der sie aus eigener Erfahrung kennt.“ Franz Stuhlmann, 1891

Als sich dann die Sonne verabschiedete wurde es deutlich kälter und einige begannen zur Musik zu tanzen. Am Feuer sitzend kamen wir uns vor wie in einer Disco und warteten sehr geduldig auf unser Essen. Was die Essenszubereitung und den Umgang mit Kunden anging merkten wir schnell, dass die Jungs und Mädels noch nicht viel Erfahrung darin hatten. Ganz nach dem Motto „Serve yourself, than serve your customer“ dauert die Essenszubereitung ewig. Alles war wieder mal etwas chaotisch und als uns das Essen (Steaks mit Reis und Pilzsoße) dann serviert wurde, es war 22.30Uhr, war es mehr kalt als warm. Aber daran lässt sich ja noch arbeiten.

 

2. Tag: Samalira Camp (3147m) – Kiharo Camp (3380m) – Kaum losgelaufen und schon am nächsten Camp

Unser Tag begann mit gebratenem Speck, Bratkartoffeln und Eiern. Wir konnten es mal wieder nicht glauben, denn am Mt. Elgon hatten wir uns etwas anders ernährt. Dort hatte jeder von uns zum Frühstück eine Tasse Porridge bekommen. Und manchmal noch eine Tasse Tee.

Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang machten wir uns auf und liefen an diesem Tag durch eine Landschaft, die immer feuchter und sumpfiger wurde und immer mehr von Flechten und Mooskissen geprägt war, die selbst hoch in den Bäumen noch wuchsen. In dichteren Waldgebieten balancierten wir über rutschige Baumstämme, dazwischen ließen sich Orchideen erblicken.

Und nach gerade mal 3 ¼ Stunden waren wir schon im nächsten Camp. Was war da los? Eigentlich hatten wir das Kiharo Camp auslassen wollen, damit wir am Ende einen Tag mehr für die eigentliche Besteigung zur Verfügung haben, doch alle hatten sich dagegen ausgesprochen.

Also fanden wir uns damit ab und genossen die schöne Lage des Kiharo Camps. In strahlendem Sonnenschein lag es zwischen steilen Felswänden und man hatte eine schöne Aussicht in das sich vor einem öffnende Tal. Die weißen, abgestorbenen Bäume waren komplett mit Bart-Flechten behangen, die man hier passenderweise "Old-Man’s-Beard" nennt. Als es dann in der Sonne zu warm wurde zogen wir uns in den Schatten zurück und genossen die Ruhe (die Bakonjos waren zu diesem Zeitpunkt außer Hörweite).

„Nur ein Ereignis unterbrach bisweilen die Langeweile dieses Lebens, es war die Ankunft der Post. Die Briefe wurden durch die schnellsten Eilboten befördert; sie waren sorgfältig in Bananenblätter eingeschlagen und in einen Spalt an der oberen Spitze eines Bambusrohres eingeklemmt.“ Ludwig Amadeus von Savoyen, 1906

Da John die Bakonjos etwas aufmischen will, versucht er Führer aus anderen Landesteilen ins Team zu integrieren. Bei unserer Tour waren zwei Jungs aus Kampala dabei, die zum Volksstamm der Buganda gehören und eine komplett andere Sprache sprechen als die Bakonjos. Und irgendwie verstanden sich die zwei Gruppen auch sonst nicht. Wir dachten, dass wir in aller Ruhe die Berge besteigen können. Doch neben allgemeinen Tipps zur Tages- und Essensplanung, Überwachung der gerechten Gewichtsverteilung unter den Trägern, spielten wir jetzt auch noch die Vermittler zwischen den beiden Stämmen. Vor allem die UWA-Ranger, die eigentlich für unsere Sicherheit und unser Wohl zuständig sind, machten schlechte Stimmung. Da die auch Bakonjos waren schlug sich der Rest der Gruppe auch auf ihre Seite. Also hingen Ema und Bernard, die zwei Bugandas, mit uns ab, anstatt mit den anderen Führern und Trägern. Das ganze endete in einer heftigen Diskussion. Wir hatten uns die ganze Tour etwas einfacher vorgestellt.

 

3. Tag: Kiharo Camp (3380m) – Hunwick’s Camp (4065m) - Einzigartige Vegetation in den Rwenzori-Bergen

Zum Frühstück erwartete uns wieder traumhaftes Wetter in den Regenmacher-Bergen. Am heutigen Tag durchliefen wir eine Gegend, deren Vegetation diese Berge so einzigartig macht. Wir gelangten ins Freie der Hochmoore, einer von bizarren Riesenlobelien bedeckten Landschaft. Den Reiz des Rwenzori-Nationalparks macht diese majestätische Landschaft und deren mannigfache Vegetation aus. Moorland, Senezien und Lobelien, schroffe Berge im Hintergrund, es wurde von Minute zu Minute immer schöner und wir blieben alle 100m stehen um ein Bild zu knipsen.

Senezien und Lobelien sind auch an den anderen Ostafrikanischen Bergen anzutreffen. Da diese Berge jedoch so isoliert voneinander stehen sind es durchweg endemische Arten. Für uns war diese Wuchsform einfach bizarr. Sowohl von den Lobelien, als auch den Senezien gibt es mehrere relativ ähnliche Arten. Oft sah man an den blaublühenden Lobelia worstonii einen blauen Vogel Nektar saugen, den Scarlet Tufted Malachite Sunbird.

Am höchsten Punkt des Tages, einem namenlosen Pass, hatten wir eine grandiose Aussicht. Da wir wieder auf den Großteil der Gruppe warten mussten setzten wir uns ins weiche Gras und genossen bei wolkenfreiem Himmel den Ausblick auf das vor uns liegende Tal. Ein tiefschwarzer See, auf dem kleine Inseln hin und her trieben, war umgeben von schroffen Felsen und das ganze in der für die Rwenzori-Berge so typischen Vegetation. Kein Wunder, dass John dem Camp seinen Namen gegeben hatte.

Wie so oft bei der Tour hatten auch heute die Letzten die Streichhölzer und da die erst 3 Stunden später im Hunwick’s Camp ankamen konnten wir solange nichts essen. Die Sonne brannte vom Himmel, und nach einigen misslungenen Versuchen selber Feuer zu machen (mit Kameraobjektiv bzw. Reibung)  zogen wir uns zum Skat spielen ins Zelt zurück.

Als die Sonne aus dem Tal verschwand wurde es richtig kalt und wir merkten, dass wir uns auf über 4000m befanden. Wir zogen unsere Topklamotten von Columbia an und waren dann sehr gut vor der Kälte geschützt.

 

4. Tag: Hunwick’s Camp (4065m) – Camp 5 (4372m) Höllenmarsch zu Camp 5

Heute stand eine lange Etappe bevor, da wir ein Camp auslassen wollten, um am nächsten Tag die höchsten Gipfel besteigen zu können. Dementsprechend früh wollten wir loslaufen und standen schon im Dunkeln auf, der Boden war noch leicht gefroren. Doch wir befinden uns in Afrika und da dauerte alles etwas länger. Vor allem was das Essen angeht.

Hier folgt jetzt ein kurzer Einschub zum Essverhalten der Bakonjos. Die Essenszubereitung über offenem Feuer dauert in der Regel 3 Stunden. Anstatt einfach das herumliegende Holz für das Feuer zu nehmen werden frische Bäume geschlagen, da die trockener sind. Jaja. Die merken leider nicht, dass sie dadurch die Landschaft zerstören. Ist das Essen dann irgendwann fertig bekommt jeder einen riesigen, also wirklich einen riesigen, Berg Essen auf den Teller. Und hat man dann das Mittagessen gegessen muss man gleich wieder mit Kochen anfangen, da ja in 3 Stunden schon wieder das Abendessen ansteht. Die Bakonjos fordern in den Bergen von John Essen, dass sie sich im Tal bzw. zu Hause nicht leisten können (Reis, Cassava, Fischsoße/Erdnusssoße, viel Fleisch). Also kann man sagen, dass die Jungs und Mädels in erster Linie wegen dem Essen in die Berge kommen. Da sie auch schon zum Frühstück Berge von Essen in sich hinein stopfen ist es kein Wunder, dass sie in der Folge einfach zu voll und dadurch so langsam sind. Und so war es auch an diesem Morgen.


3 Trainer                                                                        11 RTS + 2 UWA

6 Pkg. Fleisch                                                                   6kg Fleisch

2 Pkg. Hühnchen                                                             36kg Cassava Mehl

9 Pkg. Soßen                                                                    30kg Reis

1 Pkg. Milch                                                                       4 ½ kg Zucker

18 Pkg. Knorr Wuerfel                                                     3l Oel   

20 Pkg. Chips                                                                   3 Pkg. Tomatenkonzentrat

10 Müsliriegel                                                                   7kg Bohnen

6l Mangosaft                                                                     ½ Pkg. Suppenpulver

1 Dose Custard                                                                1,5kg Salz

3 Dosen Früchte                                                              20 Pkg. Tee

2 Kartons Eier                                                                   10kg Porridge

8 Dosen Bohnen                                                              2 Bündel Zwiebeln

6 Pkg. Weißbrot                                                                2kg Erdnusssoße

2 Pkg. Tomatenkonzentrat                                              8kg Backmehl

8kg Kartoffeln                                                                    10 Pkg. Weißbrote

10kg Reis                                                                           5 Pkg. Streichhölzer

400g Nudeln                                                                      1 Pkg. Milchpulver

Gemüse (Erbsen, Karotten, Zwiebeln)                         Kaffee

Öl, Salz                                                                                First Aid Kit

Käse

Kaffee, Tee

4 Pkg. Kekse

Servietten/Klopapier/First Aid Kit

 

Bis es dann endlich losging musste noch einiges organisiert werden. Die Träger mussten neu organisiert werden, da 3 nach Kilembe zurück kehrten. Christin, eine Hauptanwärterin auf einen Job als Führerin wollte nicht mehr und Benni musste sie überreden weiter zu gehen. Als das endlich geschafft war lag ein kräfteraubender Anstieg zum Bamwanjara Pass (4450m) vor uns.

Von dort hatten wir das erste Mal einen Blick auf die höchsten Berge Ugandas, die allerdings an diesem Morgen bereits in den Wolken hingen. Bei uns stieg bei diesem Anblick die Vorfreude weiter morgen diese Berge zu erklimmen.

Durch eine rauer werdende Landschaft stiegen wir durch einen dichten Senezienwald zum noch nicht existierenden Mc Connell’s Camp (4160m) ab. Es ging vorbei an den wunderschönen Kachope Seen, durch sumpfiges Gelände und bald erreichten wir den Central Circuit, der von der Firma RMS (Rwenzori Mountaineering Services) begangen wird. Damit stießen wir auch auf die Route der Erstbesteiger um Ludwig von Savoyen. Trotz ausführlicher Pause (ca. 1,5h) holte uns die Nachhut hier wieder nicht ein. So verteilten wir das Essen für die zwei folgenden Tage neu auf (uns miteingeschlossen) und beschlossen, dass die anderen besser an dieser Stelle ihr Camp aufbauen und auf uns warten sollten.

Das Wetter zog etwas zu, und bei einsetzendem Regen erreichten wir die Kitandara Hütte, die von uns nicht betreten werden durfte, da wir mit RTS (Rwenzori Trekking Services) unterwegs waren. Sowieso waren wir uns nicht sicher, wie das Aufeinandertreffen mit den Führern und Trägern von RMS ablaufen würde, da sich die beiden Firmen in Kampala schwer in den Haaren liegen. John hatte von Morddrohungen, Sabotage und noch vielem mehr berichtet.

Das direkte Zusammentreffen war dann außerordentlich freundlich. Die anwesenden Träger von RMS kannte man, bzw. die Stammesverwandschaft zählte mehr als Rivalitäten der Firmenbosse. So kamen wir zum Glück auch zu Streichhölzern. So wie es aussieht gibt es die Probleme eher in Kampala, sicher aber nicht am Berg. Die Uganda Wildlife Authority sähe es sowieso am liebsten, wenn beide Unternehmen alle Wege und Schutzhütten gemeinsam nutzen könnten. Sowohl für sie, als auch für die ansässigen Bakonjo kann nur mehr Tourismus das Ziel sein.

Kurz vor dem letzten Anstieg des Tages passierten wir eine Stelle Namens Mutofe, das heißt soviel wie „klopfen“, und man darf nicht reden, da sonst Steinschlag von der steilen Felswand droht.

Auf den letzten Metern merkten wir dann unsere Beine richtig gut. Es war vielleicht nicht die beste Idee von John gewesen, dass wir am Tag vor dem Gipfelsturm eine Etappe doppeln sollten. Denn insgesamt waren wir fast 10 Stunden unterwegs gewesen und erreichten nach dem Überqueren von großen Felsbrocken, die der Gletscher früher mal dorthin geschoben hatte, das Camp 5. Besser gesagt, wir fanden eine Stelle in der Nähe des Scott Elliott-Passes (4372m), an dem in der Zukunft Camp 5 entstehen könnte. Das war bisher auch noch nicht so klar gewesen. Alles war etwas feucht und neblig und kurz bevor die Nacht hereinbrach versenkten wir unsere eigenen Zelte ins triefende Moos.

Zum Abschluss machte Mukwano, einer der UWA-Ranger, wieder mal Probleme. Mit John war abgesprochen gewesen, dass wir um 3.00 Uhr am nächsten Tag zu den Gipfeln aufbrechen würden. Mukwano (Mukwano bedeutet übersetzt Freundschaft), der als einziger der ganzen Gruppe schon auf dem Gletscher und den höchsten Gipfeln gewesen war, meinte aber jetzt plötzlich er liefe nicht in der Nacht und er starte frühestens um 5.00 Uhr. Am Ende einigten wir uns auf 4.00 Uhr. Manchmal kriegt man fast die Krise.

 

5. Tag: Camp 5 (4372m) – Margherita Peak (5109m) Mountains of the Moon

Viele betrachten die Rwenzori-Berge als die anforderungsreichsten Berge ganz Afrikas und dementsprechend gespannt waren wir auch, was uns am heutigen Tag erwarten würde.

Nach einer angenehm warmen Nacht und ausreichend Schlaf standen wir um 3.00 Uhr auf und übernahmen jetzt komplett die Führerrolle. Ema und Christine, die in den letzten Tagen immer 2-3 Stunden hinter uns her gelaufen waren, wollten jetzt doch mit. Aber wir entschieden, dass es besser wäre, wenn sie nicht mitgingen. Sie würden nur die Gruppe und sich selbst damit in Gefahr bringen.

Im Schein von Taschenlampen machten sich dann Abel, Enok, Bernard, Mukwano und wir drei auf den Weg. Wir kraxelten über große Felsen und kleinere und größere Felsspalten, vorbei an der Elena Hütte bis zur Gletscherzunge empor, wo es langsam hell wurde. Bernard, der noch nie zuvor in den Bergen gewesen war, sah zum ersten Mal in seinem Leben Schnee und Eis und staunte ob der weißen großen Masse. Während wir die Steigeisen anlegten zog sich der Himmel komplett zu und wir liefen die ersten Meter direkt in den Wolken.

Über das Stanley-Plateau kamen wir den höchsten Gipfeln immer näher und es war unglaublich schön und toll auf dem Gletscher zu laufen. Und das ganze im Herzen von Afrika, wo ca. 3000m unter uns Löwen und Giraffen durch die Gegend laufen. Einfach unglaublich.

Das Rwenzori-Gebirge ist in vier Hauptgruppen aufgeteilt. Diese sind (von Nord nach Süd) der Mt. Emin, der Mt. Speke, der Mt. Stanley und der Mt. Baker. Der Mt. Stanley ist mit der Margherita Spitze (5109m) und der Alexandra Spitze (5091m) das höchste und auch flächenmäßig das größte Massiv.

Wir passierten den Fuß der Alexandra Spitze und erreichten nach einer kleinen Kletterpassage (die vor 50 Jahren noch unter Meterdickem Eis begraben lag) den Margherita Gletscher, auf dem es etwas steiler bergan ging. Und kaum hatten wir den Gletscher betreten verzogen sich die Wolken und im Sonnenschein lag die Margherita Spitze vor uns. Ein traumhafter Anblick. Diesen Eiszapfenskulpturen, die sich in den Wolken an der Felspyramide bilden, kann man sich nicht entziehen. Vor ca. 100 Jahren zur Zeit der Erstbesteigung, waren diese Gipfel rundliche Eiskappen mit gigantischen Wächten und unter mindestens 20m Eis begraben.

Vom Stanley-Pass konnten wir einen ersten Blick in den Kongo werfen und machten uns zur Felswand auf, die wir überwinden mussten, um zum Gipfel zu gelangen. Auf ca. 5050m findet man dort ein absolutes Seilchaos und zwei Leitern vor, die so schräg in der Wand hängen, dass sie eher Hindernis als Hilfe sind und man besser am Fels emporklettert. Die Knoten sahen irgendwie auch nicht so vertrauenswürdig aus.

Nach ca. 5 Stunden erreichten wir dann überglücklich die Margherita Spitze und manch einer war den Tränen sehr Nahe. Auch Bernard hatte es geschafft, dem wir zu dieser unglaublichen Leistung gratulierten. Noch nie hatte er einen Fuß in die Berge gesetzt und jetzt stand er auf dem höchsten Gipfel seines Landes. Er hatte bei uns gesehen wie wir uns umarmt hatten und nahm in der Folge uns und seine Kollegen freudestrahlend in die Arme. Im Windschatten gab es die erste Gipfelschoki und erst jetzt wurde uns bewusst, dass wir die erste Expedition von RTS gewesen waren, die es auf den höchsten Gipfel geschafft hatte.

„Diesen gab ich in jener Stunde die Namen Margherita und Alexandra, weil, wie im „Bollettino della Societa Geografica Italiana“, ausgeführt ist „unter den Auspizien der zwei Herrscherinnen der Name ihrer beiden Länder gemeinsam in die Ferne getragen wurde, Italiens, dessen Name als Erster auf diesen Schneefeldern in einem Triumpfruf widerhallte, und Englands, dessen bewunderungswürdige koloniale Ausdehnung die Zivilisation bis an die Abhänge dieser Berge getragen haben““ Ludwig Amadeus von Savoyen, 1906

Wir drei machten uns dann nach einer kurzen Pause auf zum Mt. Albert (5087m). Dieser Berg liegt komplett auf kongolesischer Seite und nach knapp 20 Minuten erreichten wir auch diesen Gipfel. Die verrostete Blechdose als Gipfelkreuz erweiterten wir mit ein paar schönen Gebetsfahnen aus Indien. Dort genossen wir die Ruhe ohne die anderen und schossen viele schöne Bilder.

Zügig ging es dann zurück zur Margherita Spitze, wo wir uns nach einem kleinen Snack mit Keksen und Käse auf den Rückweg machten. Auf dem Margherita Gletscher angekommen übten wir mit den Jungs Sturztechniken auf dem Eis, und es wurden viele Albernheiten gemacht. Wir waren einfach überglücklich.

Als wir dann den Gletscher verließen, zeigten sich Margherita und Alexandra nochmal in voller Pracht. Doch verglichen mit den Bildern von vor über 100 Jahren ein eher trauriger Anblick.

Im Camp angekommen (14.30 Uhr) legten wir uns in die Zelte und kamen bis auf das Essen nicht mehr aus ihnen heraus. Wir waren alle etwas platt.

 

6. Tag: Camp 5 (4372m) – Hunwick’s Camp (4065m) Kein Baker!

Nach dem anstrengenden Vortag und einem nicht sehr viel versprechenden wolkenverhangenen Himmel entschieden wir uns an diesem Morgen, die Edward Spitze (4842m) am Mt. Baker nicht zu besteigen. Eigentlich war geplant gewesen, dass wir dort nach alternativen Aufstiegsrouten für RTS suchen und den Weg dann mit dem GPS markieren. Aber wir waren einfach zu geschafft und entschieden uns dafür am heutigen Tag zum Hunwick’s Camp zurück zu laufen.

Am Morgen war das Wetter noch relativ schlecht gewesen, doch nach dem Frühstück klarte es immer weiter auf. An der Kitandara Hütte wartete an diesem Morgen Christine mit Tee und Chapatti auf uns, die sie am Vortag dort zubereitet hatte. Augenscheinlich gibt es die Probleme, die es zwischen den beiden Bossen in Kampala gibt, hier in den Bergen überhaupt nicht.

Kaum hatten wir das Mc Connell’s Camp und die Kachope Seen hinter uns gebracht stand schon die Mittagspause auf dem Programm. Für uns gab es erst Kekse, Käse, Chips und Mangosaft und im Anschluss noch etwas vom Essen der Bakonjos (Reis mit Zwiebeln und Tomatenmark).

Mit vollem Magen ging es dann wieder steil zum Bamwanjara Pass hoch und von da aus zügig zum Camp hinab. Dort angekommen gesellten wir uns zu den anderen ans Feuer, wo wir erstmal Schuhe und Hose trockneten, die von dem vielen Schlamm ganz durchnässt waren.

„Der Weg besteht aus nassem Schlamme, in den man oft bis zu den Knien einsinkt. Unter dem Morast stösst der Fuss auf Steine oder Stücke Holz oder er tritt auf einen gestürzten Baumstamm und zwingt den Wanderer, nach den ringsum wachsenden, oft dornigen Sträuchern zu fassen, um das Gleichgewicht zu erhalten. Allmählich lernt man den Weg kennen: Man findet die festesten Stellen heraus und es gelingt, sich bald in Sprüngen fortzubewegen, bald mit dem einen Fuß auf der rechten und dem anderen auf der linken Seite des Weges nach einem Stützpunkte auf den aus dem Sumpfe hervorragenden Steinen oder Wurzeln oder auf einem morschen Zweige zu suchen oder über einen gestürzten Baumstamm hinweg zu balancieren.“ Ludwig Amadeus von Savoyen, 1906

 

7. Tag: Hunwick’s Camp (4065m) – Mt. Weismann (4620m) Beinahe ein Ruhetag

Ganz gemütlich wurde an diesem Morgen erstmal gefrühstückt. Auf dem Programm stand heute „nur“ der Mt. Weismann, den man in knapp 2 Stunden vom Camp aus erreichen kann.

Zu unserer Überraschung hielt Mukwano, der bisher nicht wirklich positiv in Erscheinung getreten war, vor unserem Abmarsch eine Ansprache. Darin berichtete er uns, was wir heute alles sehen würden, was zu beachten ist und wer an welchem Platz läuft. Wir konnten uns ein Lachen nicht verkneifen, denn auf so eine Ansprache hatten wir schon vom ersten Tag an gewartet. Aber immerhin.

In einem engen Tal stiegen wir auf einem wenig begangenen Weg über große Felsen bis zu einem Vorgipfel des Weismann empor und passierten dabei viele Senezien und Strohblumen. Von dort hatten wir schon wieder eine gute Aussicht, die nochmal besser wurde als wir den höchsten Punkt des Mt. Weismann (4620m) erreichten. Vor uns breiteten sich erneut die höchsten Berge aus. Leider waren sie wieder wolkenverhangen.

Bei strahlendem Sonnenschein rannten wir zu einem weiteren Nebengipfel und genossen diesmal eine Gipfelschoki, die von Francis Oma gesponsert worden war. Nach einem traumhaften Schiss mit Aussicht und Rückenlehne legten wir uns ins von der Sonne aufgewärmte Moos und ließen uns die selbige ins Gesicht scheinen.

Kaum zurück im Camp fing es auch schon an zu regnen und wir zogen uns ins Zelt zurück. Essen, Ausruhen, Schlafen.

 

8. Tag: Hunwick’s Camp (4065m) – Kalalama Camp (3134m) Schlammkämpfe

Da wir uns nach Absprache mit Enok, dem Hauptführer von RTS, für einen alternativen Abstieg entschieden hatte, liefen wir einen anderen Weg nach Kilembe zurück. Während der ersten zwei Stunden marschierten wir durch das für die Berge typische Hochmoor. Danach wurde das Tal zunehmend enger, steiler und auch schlammiger. Im Kampf gegen den Schlamm gingen wir einige Male zu Boden, erreichten das Mutinda Cave Camp (3689m) aber unverletzt. Dieses Camp befindet sich unter einem riesigen Felsvorsprung und wir legten dort unsere Mittagspause ein.

Im Anschluss führte uns der Weg durch ein trockenes Flussbett. Es war schön abwechslungsreich zu laufen und machte uns viel Spaß von Stein zu Stein zu hüpfen. Am Ufer standen Orchideen, wir nahmen Abschied von Lobelien und Senezien und tauchten wieder in den dichter werdenden Wald ein.

An diesem Tag waren wir alle etwas erschöpft, unkonzentriert und froh, als wir das Kalalama Camp unverletzt am frühen Nachmittag erreichten. Von dort aus konnten wir Kilembe schon wieder erblicken und freuten uns am nächsten Tag dort anzukommen.

 

9. Tag: Kalalama Camp (3134m) – Kilembe (ca. 1400m) – Zurück in die Zivilisation

Kurz nach dem Camp waren wir zurück im Bambuswald, wo ein steiler und rutschiger Abstieg auf uns wartete. Wir hatten gehofft wenigstens noch einen Affen zu sehen, doch die Wilderer hatten in den vergangenen Jahren saubere Arbeit geleistet. Im Park sieht man kaum noch Tiere. Früher waren die Zahlen von Elefanten, Büffeln, Riesenwaldschweinen, Buschböcken, Schimpansen und Leoparden deutlich höher. Heute sieht man die Tiere kaum noch, ihre Bestände erholen sich aber laut UWA zunehmends. Wahrscheinlich muss man in 40 Jahren nochmal zurück kommen, dann läuft einem bestimmt ein Elefant über den Weg. Das wäre Klasse.

Am UWA-Gate angekommen mussten wir einen Fragebogen ausfüllen und unsere Kommentare zur Tour abgeben, bei denen Mukwano und Joseph, die beiden UWA-Ranger, nicht wirklich gut wegkamen. Sie sahen wohl ein, dass sie das so eigentlich nicht bringen können und entschuldigten sich gleich in einer abschließenden Ansprache. Laut John wurden die zwei mittlerweile von der UWA beurlaubt. Aber doch hoffentlich nicht wegen uns!?

Enok bedankte sich im Namen des ganzen RTS-Teams super nett für das Training und fragte gleich, wie es danach weiter gehen würde. Das muss er wohl eher mit John besprechen.

In einer Reihe und jeder an seiner Position liefen wir dann in Kilembe ein und drehten so erstmal eine Runde über den Markt. Die Leute staunten nicht schlecht und für umgerechnet 30 Cent kauften wir uns 2 große Avocados, 7 Mangos und 10 Bananen. Der Wahnsinn.

Zurück in Kilembe stand dann erstmal rumsitzen, Obst essen, waschen, ausruhen, Zelt trocknen und mit John unterhalten auf dem Programm. Ihm gaben wir allgemeine Information zur Tour, den Wegen, dem Essen und detaillierte Informationen zu allen Expeditionsteilnehmern.

 „Thank you very much, you did a good training. You changed them! “ John Hunwick, 2010

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein unglaubliches und wahrscheinlich einzigartiges Erlebnis war, was in der Zukunft so nicht mehr wiederholt werden kann. Durch das Training in Kilembe waren viele der Führer und Träger schon fast zu Freunden geworden. Trotzdem war der Respekt noch da und wir übernahmen auch am Berg die Führerrolle. Nach der guten Akklimatisierung am Mt. Elgon hatten wir keinerlei Probleme mit der Höhe und waren die ersten, die mit RTS die Margherita Spitze bezwangen.

Und was in den Regenmacher-Bergen besonders außergewöhnlich war, war das traumhafte Wetter, das wir die meiste Zeit hatten. Es regnete zwar ab und zu, aber da waren wir schon im Camp und konnten uns im Zelt verkriechen. Während der Tour sind wir nur ca. 1 ½ Stunden im Regen gelaufen.

Im Anschluss machten wir uns auf in verschiedene Nationalparks und bewegten uns immer inmitten einer mit Riesenobjektiven bewaffneten Touristenmasse.


Als ich mit meinen Eltern ca. einen Monat später nochmal in die Rwenzori-Berge kam, merke ich, was wir dort eigentlich geleistet hatten. Tschuma, einer der Träger, meinte nur: „We shall never forget you“. Alle bedankten sich nochmal, auch Leute, die nicht am Training teilgenommen hatten. Christine meinte, dass wir stolz auf uns sein können. Aber am aller schönsten war es gewesen zu sehen, wie sich die Leute gefreut haben einen wieder zu sehen. Das ist besser als jede Bescheinigung.